Der Spierenstich mit Schlinge

Von in nautik, schifferknoten

Einleitung

Spierenstich Abb. 1

Spie­ren­stich Abb. 1

Bit­te lesen Sie auch die all­ge­mei­ne Ein­lei­tung und den Sicher­heits­hin­weis zu den in die­sem Blog gezeig­ten Kno­ten.
Der Spie­ren­stich dürf­te im mari­ti­men Bereich wenig bekannt sein. Selbst als Sei­lend­kno­ten ver­wen­den See­fah­rer eher den Acht­kno­ten und set­zen bei Lei­nen­ver­bin­dun­gen ande­re Kno­ten ein. Dabei hat er enor­mes Anwen­dungs­po­ten­zi­al, ist ein moder­ner Kno­ten, der im pro­fes­sio­nel­len Berg­sport seit Jah­ren als Stan­dard gilt [1] und ver­fügt über eine bemer­kens­wert nied­ri­ge Bruch­last­re­duk­ti­on von ledig­lich 25% [2]. Die Spie­ren­stich­sch­lin­ge wird von fran­zö­si­schen und öster­rei­chi­schen Höh­len­for­schern ein­ge­setzt und ist des­we­gen in der Lite­ra­tur auch als “Höh­len­kno­ten” zu fin­den [6].
In der hier gezeig­ten Form wird der Spie­ren­stich ver­wen­det, um eine Schlin­ge (nicht Schlau­fe! [5]) zu bil­den. In die­se Schlin­ge wird ein Schä­kel ein­ge­bun­den, wel­cher wie­der­um zum Bei­spiel den Kopf oder das Scho­thorn des Segels hal­ten könn­te. Dabei nützt man den Vor­teil des Spie­ren­stichs, den Schä­kel fest zu umschlie­ßen, ein Umstand, der ihn vom gern ein­ge­setz­ten Pals­tek, der sich ja als Schlau­fe nicht zusam­men­zieht, unter­schei­det. So vor­be­rei­tet kann das Hand­ling in zum Bei­spiel schwie­ri­ger Wet­ter­la­ge erhöht werden.
War der Spie­ren­stich ein­mal unter grö­ße­rer Belas­tung, lässt er sich nur noch schwer lösen. Die­ses Pro­blem behebt aber ele­gant der Schä­kel, denn es wird nicht der Kno­ten gelöst, son­dern ein­fach der Schä­kel geöff­net und aus dem Kno­ten aus­ge­fä­delt. Anschlie­ßend wird der Kno­ten nicht gebro­chen, son­dern zusam­men­ge­zo­gen(!). Durch den nun feh­len­den Splint des Schä­kels löst sich der Kno­ten näm­lich von sel­ber auf.

Anwendung

Bil­dung einer (sich zusam­men­zie­hen­den) Schlin­ge [5].

Beschreibung

Spierenstich Abb. 2

Spie­ren­stich Abb. 2

Spierenstich Abb. 3

Spie­ren­stich Abb. 3

Spierenstich Abb. 4

Spie­ren­stich Abb. 4

Spierenstich Abb. 5

Spie­ren­stich Abb. 5

Zunächst wird ein Unter­hand­au­ge gelegt (Abbil­dung 2). Es spielt kei­ne Rol­le, wie groß das Auge dabei aus­fällt, denn es wird spä­ter ohne­hin zusam­men­ge­zo­gen. Sinn­vol­ler­wei­se wird in das Auge ein Gegen­stand ein­ge­bun­den, wie bereits erwähnt könn­te dies ein Schä­kel sein (Vor­sicht! Der ein­ge­bun­de­ne Gegen­stand muss aus der Schlin­ge aus­ge­fä­delt wer­den kön­nen. Der Spie­ren­stich zieht sich unlös­bar fest zusam­men, an z.B. einem Molen-​Ring ver­wen­det kann die Lei­ne unter Umstän­den nur noch gekappt wer­den). Anschlie­ßend wird die lose Part um die Schlin­ge geführt. Dabei ist es ganz wesent­lich dar­auf zu ach­ten, dass die lose Part tat­säch­lich das Auge umfasst und nicht ein­fach nur um die ste­hen­de Part zu lie­gen kommt (Abbil­dung 3). Aber­mals umwi­ckelt die lose Part die Schlin­ge, wodurch zwei voll­stän­di­ge Törns ent­ste­hen. Letzt­end­lich steckt man die lose Part ent­lang der ste­hen­den Part zurück durch den Kno­ten (Abbil­dung 4).
Cha­rak­te­ris­tisch für den Spie­ren­stich ist das Über­kreu­zen des Kno­tens auf der Rück­sei­te (Abbil­dung 5) und die par­al­lel ver­lau­fen­den Lei­nen auf der Vor­der­sei­te (Abbil­dung 1).

Bruchlastreduktion

25% [3]

Andere Bezeichnungen

Höh­len­kno­ten, Spie­ren­stich­schlau­fe, Fischer­schlau­fe, Gerüst­kno­ten. Eng­lisch: Dou­ble over­hand noose.

Trivia

  • Der Spie­ren­stich mit Schlin­ge wird in der Lis­te von Kno­ten in der Wiki­pe­dia als “Höh­len­kno­ten” geführt [4]. Auch fällt die Bezeich­nung “Spie­ren­stich­schlau­fe” [6].
  • Der wie hier gezeigt ein­ge­setz­te Spie­ren­stich mit Schlin­ge zählt, im Gegen­satz zum Spie­ren­stich als Sei­lend­kno­ten, zu den Steks: Ent­fernt man den Gegen­stand, der in die Schlin­ge ein­ge­bun­den ist, löst sich der Kno­ten auf [5].

Varianten

Fußnoten

Bit­te lesen Sie auch die all­ge­mei­ne Ein­lei­tung und den Sicher­heits­hin­weis zu den in die­sem Blog gezeig­ten Kno­ten.

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