Die Anglerschlaufe

Von in nautik, schifferknoten

Einleitung

Die Anglerschlaufe Abb. 1

Die Ang­ler­schlau­fe Abb. 1

Bit­te lesen Sie auch die all­ge­mei­ne Ein­lei­tung und den Sicher­heits­hin­weis zu den in die­sem Blog gezeig­ten Kno­ten.
Die Ang­ler­schlau­fe fin­det in diver­sen Segel-​Diskussionsrunden und -Foren immer wie­der Erwäh­nung. Tat­säch­lich trifft man sie manch­mal in Mari­nas als Alter­na­ti­ve zum Pals­tek an. Jens Krag­lund bezeich­net die Ang­ler­schlau­fe in sei­nem Arti­kel “See­manns­kno­ten neu über­den­ken und Pals­tek ver­ges­sen?” als “die sichers­te Schlau­fe” und emp­fiehlt, für die Ang­ler­schlau­fe den Pals­tek “zu ver­ges­sen” [3].
Die Ang­ler­schlau­fe kommt, wie der Name bereits ver­rät aus dem Angel­sport, bei dem mit beson­ders glat­ten Lei­nen han­tiert wer­den muss. Dabei wer­den Kno­ten ein­ge­setzt, die nicht auf­grund von Rei­bung funk­tio­nie­ren, son­dern sich sel­ber in einer Art beknei­fen, dass sie sogar in Nylon­seh­nen ihre Sta­bi­li­tät nicht ver­lie­ren. Die Ang­ler­schlau­fe ist ein beson­ders anschau­li­ches Bei­spiel: Der quer lie­gen­de Tam­pen wirkt wie ein Splint. Er ist nicht auf Rei­bung ange­wie­sen, um den Kno­ten am Lösen zu hindern.
Die Ang­ler­schlau­fe ist also für sehr glat­te Lei­nen aus­ge­legt, wie sie übli­cher­wei­se im Segel­sport nicht ein­ge­setzt wer­den. Wie auch der Pals­tek von Berg­stei­gern, mit kata­stro­pha­len Fol­gen, ver­wen­det wur­de, ist die Ang­ler­schlau­fe für eine ande­re Sport­art vor­ge­se­hen. Des­sen soll­te man sich im Kla­ren sein, wenn man sich für eine Ang­ler­schlau­fe als Fest­ma­cher­kno­ten ent­schei­det. Sie weist näm­lich eine Eigen­schaft auf, die im Angel­sport neben­säch­lich, auf einem Schiff aber sehr unan­ge­nehm, mit­un­ter gefähr­lich sein kann: Nach grö­ße­rer Belas­tung soll die Ang­ler­schlau­fe nur noch schwer zu lösen sein. Dem Pals­tek sagt man die­se nega­ti­ve Eigen­schaft übri­gens nicht nach.
Die Ang­ler­schlau­fe könn­te im Segel­sport als Alter­na­ti­ve zum Pals­tek dann ein­ge­setzt wer­den, wenn das ver­wen­de­te Mate­ri­al ver­mu­ten lässt, dass der Pals­tek mög­li­cher­wei­se nicht aus­rei­chend Sta­bi­li­tät bie­tet, was bei beson­ders glat­ten, neu­en und stei­fen Lei­nen der Fall sein könnte.

Anwendung

Bil­dung einer (sich nicht zusam­men­zie­hen­den) Schlau­fe zum Fest­ma­chen an zum Bei­spiel Pfäh­len. Die Ang­ler­schlau­fe soll sich nach star­ker Belas­tung nur noch schwer lösen las­sen, hält dafür aber auch auf beson­ders glat­ten Leinen.

Beschreibung

Die Anglerschlaufe Abb. 2

Die Ang­ler­schlau­fe Abb. 2

Die Anglerschlaufe Abb. 3

Die Ang­ler­schlau­fe Abb. 3

Die Anglerschlaufe Abb. 4

Die Ang­ler­schlau­fe Abb. 4

Die Anglerschlaufe Abb. 5

Die Ang­ler­schlau­fe Abb. 5

Die Ang­ler­schlau­fe ähnelt in der Her­stel­lung dem Pals­tek. Man beginnt aber nicht mit einem Über­hand­au­ge, son­dern mit einem Über­hand­kno­ten (Abbil­dung 2). Dann wird wie beim Pals­tek die lose Part in einer Bucht zurück zum Über­hand­kno­ten geführt.

Die Anglerschlaufe Abb. 6

Die Ang­ler­schlau­fe Abb. 6

Dabei ist dar­auf zu ach­ten, dass die lose Part so durch den Kno­ten gesteckt wird, wie sie den Kno­ten zuvor ver­las­sen hat. Wie im Abbil­dung 3 gezeigt muss dem­nach die lose Part von unten durch den Kno­ten geführt wer­den. Anschlie­ßend legt man die lose Part hin­ter die fes­te Part (Abbil­dung 4). Letzt­end­lich fädelt man die lose Part wie in Abbil­dung 5 gezeigt durch den Kno­ten zurück. Dabei ist ganz beson­ders dar­auf zu ach­ten, wel­che Lei­nen über der losen Part, näm­lich die­je­ni­gen, die die eigent­li­che Schlau­fe bil­den, und wel­che unter ihr zu lie­gen kom­men. Abbil­dung 6 zeigt die Ang­ler­schlau­fe von hin­ten, wobei die zwei sich über­kreu­zen­den Par­ten zu bemer­ken sind. Der sehr ähn­li­che gewor­fe­ne Pals­tek weist die­se Kreu­zung nicht auf, was ihn zu einem ver­gleichs­wei­se insta­bi­len Kno­ten macht.

Andere Bezeichnungen

Per­fek­ti­ons­schlau­fe. Eng­lisch: Per­fec­tion­loop, Angler’s Loop

Ashley-​Nr

1017

Trivia

  • Im Buch “Kno­ten Splei­ßen Fan­cy­work” von Gor­don Per­ry und Ste­ve Jud­kins hat sich in der zwei­ten Abbil­dung zur Demons­tra­ti­on der Ang­ler­schlau­fe ein Feh­ler ein­ge­schli­chen. Dabei über­kreuzt ein Tam­pen eine Lei­ne, anstatt sie zu unter­kreu­zen. Der Kno­ten wür­de so nicht hal­ten [2].
  • Im Arti­kel “See­manns­kno­ten neu über­den­ken und Pals­tek ver­ges­sen?” erwähnt Jens Krag­lund die Ang­ler­schlau­fe und bie­tet zwei hand­ge­zeich­ne­te Abbil­dun­gen. Bei­de zei­gen nicht die Ang­ler­schlau­fe, eine besteht kurio­ser­wei­se aus drei Tam­pen [3].
  • Die Ang­ler­schlau­fe wird auch noch Per­fek­ti­ons­schlau­fe genannt, weil sich die gebil­de­te Schlau­fe per­fekt sym­me­trisch ent­lang der Ver­län­ge­rung der fes­ten Part legt.
  • Egmont M. Friedl bezeich­net die Ang­ler­schlau­fe in sei­nem Buch “Kno­ten und Splei­ßen” als “tra­di­ti­ons­rei­chen Kno­ten” und als “Alter­na­ti­ve zum Palstek”.

Varianten

Fußnoten

Bit­te lesen Sie auch die all­ge­mei­ne Ein­lei­tung und den Sicher­heits­hin­weis zu den in die­sem Blog gezeig­ten Kno­ten.

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