Seemännische Knoten

Von in nautik, schifferknoten

SpierenstichIn den Aus­bil­dun­gen zum Skip­per auf Bin­nen­ge­wäs­sern und auf See wer­den die wich­tigs­ten Kno­ten gelehrt, wobei sich das Reper­toire inter­na­tio­nal mehr oder weni­ger gleicht. So ver­wen­det der frisch­ge­ba­cke­ne Sport­boot­füh­rer zum Fest­ma­chen des Boo­tes den Pals­tek, der Fen­der wird mit einem Webelein(en)stek an der Reling ange­schla­gen und die über­ste­hen­den Bänd­sel des gereff­ten Groß’ fixiert ein Kreuz­kno­ten. Dabei ist es der Fähig­keit des Skip­pers über­las­sen, jede erdenk­li­che Situa­ti­on mit den gelern­ten, weni­gen Kno­ten zu bewäl­ti­gen. Die meis­ten Boots­füh­rer wer­den damit ihr Aus­lan­gen fin­den. Wer jedoch über den Kno­ten­rand bli­cken möch­te und sich auf die Suche nach Alter­na­ti­ven macht, ent­deckt schnell eine Fül­le inter­es­san­ter, wei­ter­füh­ren­der Lite­ra­tur, wobei jede wert ist, gele­sen zu wer­den. Auch wenn man manch­mal auf völ­lig wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen trifft.
Ich emp­fin­de noch heu­te Unver­ständ­nis dafür, dass mir in der Aus­bil­dung der Zep­pe­lin­s­tek gelehrt (übri­gens teil­wei­se fälsch­lich auch als Hun­ter Kno­ten), aber wesent­lich wich­ti­ge­re Kno­ten vor­ent­hal­ten wur­den. Aber wel­cher Kno­ten ist nun “wich­tig”? Wel­cher bes­ser, wel­cher schlech­ter? Was ist ein “gutes” Reper­toire?
In der Kno­ten­li­te­ra­tur wer­den auf den ers­ten Sei­ten meist die “übli­chen Ver­däch­ti­gen” abge­han­delt, um spä­tes­tens ab der Hälf­te auf Takeln und Splei­ßen über­zu­ge­hen, als ob die Fül­le an Kno­ten nicht für ein gan­zes Buch aus­rei­chen wür­de; Clif­ford War­ren Ash­ley in Ehren. Dabei wird jeder, der kein Eig­ner ist und Boo­te bes­ten­falls char­tert nie in die Ver­le­gen­heit kom­men, zwei Tam­pen splei­ßen zu müs­sen. Und zum Takeln kommt man über­haupt nur, wenn man mit sei­nem Alter­na­tiv­pro­gramm schnel­ler als die Wet­ter­front durch ist.
Die Idee, sich sel­ber um ein paar wei­te­re brauch­ba­re Kno­ten umzu­se­hen kam mir, als ich dar­über sin­nier­te, ob beim Pals­tek die lose Part nun außen oder innen zu lie­gen hat. Was ich dann im Inter­net über die­sen “König aller Kno­ten” (dazu spä­ter mehr) zu lesen fand, erschüt­ter­te fast mein Welt­bild. Insta­bil soll er sein, er soll kip­pen und slip­pen. Angeb­lich sol­len schon Berg­stei­ger abge­stürzt sein, weil sich der “Bulin­kno­ten” nach einer Quer­be­las­tung von selbst gelöst hat­te.
Ist des­we­gen der Pals­tek ein “schlech­ter”, ein gefähr­li­cher Kno­ten? Es genügt kei­nes­falls zu wis­sen, wie ein Kno­ten gesteckt, gewor­fen oder gelegt wird. Man muss sich auch ernst­haft damit aus­ein­an­der­set­zen, wofür man wel­chen Kno­ten ver­wen­det. Dass man heut­zu­ta­ge den Kreuz­kno­ten nur noch zum neben­säch­li­chen Befes­ti­gen der losen Reff­bänd­sel ein­setzt, dürf­te sich her­um­ge­spro­chen haben. Aber darf man, wie vie­ler­orts ohne Ermü­dung gelehrt wird, sein Boot zum dau­er­haf­ten Fest­ma­chen an der Mole wirk­lich einem Pals­tek über­las­sen?
In ihrem Buch “Das Kno­ten­buch” kri­ti­sie­ren Geoff­rey Bud­worth und Richard Hop­kins, dass sich “Kno­ten­knüp­fer”, die den Pals­tek als “König der Kno­ten” bezeich­nen, nicht im Kla­ren dar­über sind, woher die­se Bezeich­nung stammt. Bei mei­ner Beschrei­bung des Pals­tek gehe ich die­ser “Lob­prei­sung” des ver­meint­li­chen Allround-​Knotens nach.
In der in die­sem Blog vor­lie­gen­den Zusam­men­stel­lung möch­te ich einen Vor­schlag zu einer Samm­lung von Kno­ten machen, die es mei­ner Mei­nung nach wert sind, sich Wis­sen über sie anzu­eig­nen. Außer­dem habe ich ver­sucht, zu jedem Kno­ten mög­lichst vie­le Infor­ma­tio­nen zusam­men­zu­tra­gen. Die von mir ange­fer­tig­ten Abbil­dun­gen sind nicht immer opti­mal aus­sa­ge­kräf­tig und es wer­den sich im Inter­net und in der Lite­ra­tur bes­se­re Knoten-​Bilder und -Vide­os fin­den. Die hier gezeig­te Zusam­men­stel­lung soll aber als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge und nicht zum Erler­nen von Kno­ten­tech­ni­ken die­nen.

Sicherheitshinweis

Ich habe die hier gebo­te­nen Infor­ma­tio­nen über see­män­ni­sche Kno­ten sehr sorg­fäl­tig zusam­men­ge­stellt. Feh­ler, Irr­tü­mer oder fal­sche Schluss­fol­ge­run­gen kön­nen jedoch nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Die Anlei­tun­gen zu den ein­zel­nen Kno­ten erset­zen kei­ne Aus­bil­dung und die­nen ledig­lich als Dis­kus­si­ons­grund­la­ge.

Liste der Knoten

Hin­weis zur Benen­nung: Kno­ten, die auf unter­schied­li­che Wei­se gebun­den wer­den kön­nen, erhal­ten den Zusatz “gebun­den” oder “gesteckt”, um sie hier von­ein­an­der unter­schei­den zu kön­nen. Ein­zeln vor­kom­mend wer­den sie aber in der Lite­ra­tur nicht so bezeich­net, es gibt zum Bei­spiel kei­nen “gewor­fe­nen Eis­zap­fen­kno­ten”, sehr wohl jedoch einen “gewor­fe­nen Pals­tek”. Auf die kor­rek­te Benen­nung wird in der Beschrei­bung eines jeden Kno­tens ein­ge­gan­gen.

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