Der Palstek

Von in nautik, schifferknoten

Einleitung

Palstek Abb. 1

Palstek Abb. 1

Bitte lesen Sie auch die allgemeine Einleitung und den Sicherheitshinweis zu den in diesem Blog gezeigten Knoten.
Der Palstek ist wohl der bekannteste Seemannsknoten. Das mag daraus resultieren, dass er gern als "Universalknoten" bezeichnet und "seit Jahrhunderten täglich an Bord benutzt" wird. Tatsächlich ist er einfach zu knoten und lässt sich auch nach größerer Belastung leicht wieder lösen. Aber gerade der Palstek ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht jeder Knoten gefahrlos in jeder Situation einsetzbar ist. So soll er zum Beispiel bei Querbelastung kentern und slippen [1]. Bei seemännischer Verwendung besteht zumindest die Möglichkeit, dass es zu einer einseitigen Belastung des Ringes kommt, wenn sich zum Beispiel an einem Pfahl mehrere Leinen gegenseitig bekneifen. Wird so nur an der festen Part einerseits, und an jenem Teil des Auges, der zur losen Part führt, andererseits Zug ausgeübt, bekneift sich der Knoten nicht ausreichend selber und die lose Part kann durch den Knoten rauschen.
Auf der Webseite von Bobby Schenk schreibt Jens Kraglund unter dem Titel "Seemannsknoten neu überdenken und Palstek vergessen?", dass man zu Gunsten des Webeleinensteks mit zwei Halben Schlägen auf den Palstek gänzlich verzichten sollte. Das zeigt deutlich, wie der Verwendungszweck des Palstek missverstanden wird, denn es gibt keinen Grund, warum er (unter anderem, wie zum Beispiel dem geworfenen Webeleinstek) für das Manöver des Anlegens nicht verwendet werden sollte (jedoch nicht kritiklos für dauerhaftes Festmachen).
Wer jedoch den Palstek als "König der Knoten" bezeichnet und ihn (tragischerweise gerade deshalb) bei jeder sich bietenden Gelegenheit einsetzt, hat sich noch keine Gedanken darüber gemacht, welche Verhältnisse ihn über alle Knoten erheben [6]: Denn nicht seine vermeintlich hervorragenden Eigenschaften krönen ihn, es ist ein Gedicht von Sir Alan Patrick Herbert aus dem Buch "Siren Song" mit dem Namen "The Bowline" [7]. Für Interessierte habe ich das Gedicht unter "Trivia" angeführt.
Der Palstek war noch dazu in seinem Ursprung nicht als Festmacher konzipiert. Wie der englische Name schon andeutet, wurde damit eine Leine am Bug befestigt ("Bowline"). Allerdings nicht, um in der Folge den anderen Tampen an Land zu führen, sondern auf Amwindkursen die Rahsegel flach zu spannen und zu stabilisieren [6]. Und damit war wohl dieser Knoten, abgesehen von den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Leinenmaterialien, einst für eine völlig andere Verwendung vorgesehen.

Anwendung

Bildung einer (sich nicht zuziehenden) Schlinge, die sich auch nach starker Belastung wieder leicht lösen lässt, zum Beispiel zum (kurzzeitigen) Festmachen des Bootes an einem Pfahl. Mit der hier gezeigten Art den Palstek zu stecken eignet er sich sowohl in der Vorbereitung, um den Knoten später über z.B. einen Pfahl zu legen, als auch als direktes Einbinden in z.B. einen Ring. Dabei wird jedoch in der Literatur immer wieder auf die große Gefahr des Schamfilens hingewiesen, weil der Palstek lose im Ring liegt.

Beschreibung

Palstek Abb. 2

Palstek Abb. 2

Zunächst wird in die feste Part der Leine mit ausreichend Abstand zum Tampen ein Auge gelegt. Dieser Abstand entscheidet später über die Größe der eigentlichen Schlaufe und wird vom Anfänger gern zu gering bemessen. Der Palstek lässt sich leichter binden, wenn das Auge selber im Umfang nicht zu groß gewählt wird. Wurde, wie in Abbildung 2 gezeigt, die lose Part über die feste Part gelegt ("Überhandauge"), wird nun der Tampen von unten durch das Auge geführt:
Palstek Abb. 3

Palstek Abb. 3

Ein gern strapaziertes Sprichwort sagt, dass "die Schlange (mancherorts auch ein Krokodil) aus dem Teich heraus kommt...". Nun wird die lose Part hinter die feste Part geführt, "... die Schlange kriecht um den Baumstamm herum...", was die Abbildung 3 verdeutlicht.
Palstek Abb. 4

Palstek Abb. 4

Und schließlich wird der Tampen wieder durch das anfangs gebildete Auge der festen Part geführt, "... die Schlange kriecht zurück in den Teich.", Abbildung 4. So beschrieben kommt der Tampen im Palstek innen zu liegen.
Palstek Abb. 5

Palstek Abb. 5

Man kann den Palstek aber auch so stecken, dass die lose Part außen zu liegen kommt (Abbildung 5). Dazu wird die lose Part nach dem Durchstecken durch das Auge auf der anderen Seite der stehenden Part herumgeführt und auch auf der anderen Seite wieder durch das Auge gelegt. Dabei wird kontrovers diskutiert, welche Variante "besser" sein soll. Liegt der Tampen innen, kann er bei Wechselbelastung anstoßen und gegen den Knoten gedrückt werden, wodurch sich der Knoten lösen könnte (was verdeutlicht, wie schlecht sich der Knoten für eine dauerhafte Befestigung eignet). Liegt der Tampen außen (der "rechte Palstek" wird in englischer Literatur als "der richtige Palstek" bezeichnet; eventuell eine Fehlinterpretation des Wortes "right"? [*]), kann er an Gegenständen hängen bleiben. [2]

Knotenfestigkeit

64% [2]

Bruchlastreduktion

um 35% [1] - 45% [3]

Andere Bezeichnungen

Bulinknoten, Pfahlknoten, Schertauknoten, Rettungsknoten/-schlinge, einfacher Ankerstich.
Englische Bezeichnung: Bowline

Ashley-Nr

1010, 1012, 1013, 1034

Trivia

  • Genau genommen ist der Begriff "(Pal-)Stek" gerade für diesen Knoten falsch, denn als Stek wird allgemein ein Knoten bezeichnet, der nur mit weiteren Gegenständen stabil ist, zum Beispiel der Webeleinstek, gelegt um eine Spiere. Dieser Umstand wird durch eine weitere Bezeichnung für diesen Knoten offenkundig, denn der Palstek wird auch noch "Pfahlknoten" genannt. Und Knoten gelten als selbständig stabil. [4]
  • Die Professional Association of Climbing Instructors PACI Height and Outdoor Recreation Training hat den Palstek einer ausgesprochen umfangreichen Analyse unterzogen [5]
  • [*] In der Bowline Analysis von Mark Gommers, July 2013, wird der rechte und linke Palstek genau seitenverkehrt beschrieben.
  • Der "Sailors' Point", eine Yacht- und Bootsschule in Mannheim, bezeichnet einen Palstek, bei dem die lose Part innen liegt, als "Amerikanischer Palstek".
  • Eine interessante Variante den Palstek zu werfen, zeigt Bobby Schenk auf seiner Webseite "Homepage von Weltumsegler Bobby Schenk". Er tauft den ihm unbekannten Knoten "Polynesischer Hundeknoten". Egon Friedl (Egmont M. Friedl?) soll ihn als "geworfenen Fischerknoten" erkannt haben (? Der Fischerknoten ist ein Verbindungsknoten, ein "geworfener Fischerknoten" wird in der Literatur nicht erwähnt). Das auf der genannten Webseite beigefügte Video zeigt die Wurftechnik mit einem undefinierbaren Ergebnis. Schenk bezeichnet ihn als den "schnellsten Palstek der Welt". Wenn man den Knoten nachstellt und dabei darauf achtet, dass der Tampen beim Zusammenziehen nicht durch ein Auge rutscht (!), entsteht tatsächlich ein sehr bekannter Knoten: die Anglerschlaufe.
  • The Bowline, Sir Alan Patrick Herbert, Auszug aus "Siren Song":

The bowline is the king of knots, or, if you like it, bends;
A bowline on a bollard is the best of journey's ends:
And, as long as men are mariners, I think it safe to say
This is a thing that never will be done another way.

What ancient hairy tar, how many centuries ago,
Was author of the artifice we do not seem to know.
Maybe 'twas wise Ulysses when he made the sailors fast
Against the song of Sirens with a bowline to the mast;
Or at the earliest wife's remark, 'Again you have forgot!'
The earliest husband's handkerchief received this noble knot.
Maybe primeval monkeys in the equinoctial gales
Preserved their equilibrium with bowlines in their tails.
At all events as long as men are mariners, I say,
Here is a thing that never will be done another way.

The timber hitch, the reef knot, the sheet and fisherman's bends,
The clove, the sweet, and simple hitch on which so much depends
Have each a special duty they do perfectly discharge
(Much more than you can say of men or matters, by and large).
All seamen in their memories preserve a secret niche
For the nameless benefactor who conceived the rolling hitch,
While manly tears my eyes invade with which I can't contend
When I discuss the Blackwall hitch or topsail halyard bend.
But the bowline is the king of knots, and it is grand to say -
Here is a thing that never will be done another way.

Varianten

Fußnoten

Bitte lesen Sie auch die allgemeine Einleitung und den Sicherheitshinweis zu den in diesem Blog gezeigten Knoten.

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