Stadelwand - Schneeberg - Weichtal

Von in geografie

Hirschwang-Rax-Schneeberg-Panorama

Hirschwang-​Rax-​Schneeberg-​Panorama

Der Sta­del­wand­gra­ben wird eher sel­ten durch­quert, meist dient er nur dem Zustieg zur Sta­del­wand, einem Klet­ter­pa­ra­dies für Ken­ner. Dabei ist der Weg durch die urwald­ähn­li­che Land­schaft ein ech­ter Geheim­tipp. Der durch­ge­hend stei­le Weg for­dert die Kon­di­ti­on, nur der Abschnitt zwi­schen Sta­del­wand­sat­tel und Mär­chen­wie­se ermög­licht ein wenig Erho­lung. Ich habe mir den Weg genau­er ange­se­hen und möch­te hier eine mög­li­che Rou­te über den Schnee­berg beschreiben.

Unterwegs im Stadelwandgraben zur Märchenwiese

Unter­wegs im Stadelwandgraben

Wie schon öfters in die­sem Blog beschrie­ben gibt es für die Anrei­se zum Schnee­berg meh­re­re Mög­lich­kei­ten. Die­se Rou­te beginnt beim Weich­t­al­haus, das man mit dem Auto bequem anfah­ren kann. Man erreicht den Ein­stiegs­punkt der Tour aber auch gut mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, die ÖBB fährt Payerbach-​Reichenau stünd­lich an und eben­so oft von dort ab. Nur die Bus­ver­bin­dung zwi­schen Payer­bach und dem Weich­t­al­haus erfor­dert etwas Pla­nung, denn der Bus ver­kehrt nur weni­ge Male am Tag. Weil ich mich nicht so vom Bus abhän­gig machen woll­te, habe ich dies­mal die aus­ge­fal­le­ne Vari­an­te mit Zug und Rad gewählt. Die Stre­cke Payer­bach - Weich­t­al­haus beträgt nur 12km.
Unterwegs im Stadelwandgraben zur Märchenwiese

Unter­wegs im Stadelwandgraben

Laut GPS sind 100 Höhen­me­ter zu über­win­den. Gemüt­lich gefah­ren soll­te man die Stre­cke in etwa einer Drei­vier­tel­stun­de zurück­ge­legt haben. Der Anfang der Rou­te beginnt aber immer beim Weich­t­al­haus. Den erstaun­ten Bli­cken ande­rer Wan­de­rer zum Trotz geht man vom Park­platz zurück zur Stra­ße und hält sich tal­aus­wärts. Nach etwa 10 bis 15 Minu­ten erreicht man einen klei­nen Park­platz auf der lin­ken Sei­te, wo auch der nicht zu über­se­hen­de Weg in den Sta­del­wand­gra­ben beginnt. Man kann sein Fahr­zeug natür­lich auch hier abstel­len, aber ers­tens sind die Park­plät­ze hier rar und zwei­tens will man nach dem beschwer­li­chen Abstieg über den Friedrich-​Mayr-​Weg am Nach­mit­tag bestimmt nicht mehr mit schmer­zen­den Bei­nen über den Asphalt zurück zum Auto laufen. 

Der Stadelwandgraben knapp unter dem Stadelwandsattel, am Weg zur Märchenwiese

Der Sta­del­wand­gra­ben knapp unter dem Sattel

Der Weg durch den Sta­del­wand­gra­ben und spä­ter über die Sta­del­wand­lei­ten ist beschwer­lich. Der Auf­stieg bis zum Gip­fel des Klos­ter­wap­pens beträgt laut eige­nen GPS-​Aufzeichnungen nur 7km. Auf die­sen 7km müs­sen 1.500 Höhen­me­ter über­wun­den wer­den. Ein dem­entspre­chen­des Gefäl­le ist zu erwar­ten und gleich beim Ein­stieg in den Sta­del­wand­gra­ben bekommt man davon einen ers­ten Ein­druck. Aller­dings ent­schä­digt die Land­schaft für die Stra­pa­zen und der dich­te Wald sorgt für ange­neh­me Kühle.
Der Pfad durch den Gra­ben ist, bis auf eine Stel­le, nicht mar­kiert. Zwar ist die Gefahr sich zu ver­lau­fen recht gering, denn aus dem Gra­ben kommt man nur über den Wan­der­weg oder die Sta­del­wand her­aus.
Der Stadelwandsattel

Der Sta­del­wand­sat­tel

Weil der Gra­ben im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes natur­be­las­sen ist - was hier umfällt bleibt so lan­ge lie­gen, bis die Natur eine ande­re Ver­wen­dung dafür gefun­den hat - kann aber der Weg nicht immer auf den ers­ten Blick aus­ge­macht wer­den und so pas­siert es schon ein­mal, dass man, zumin­dest im ers­ten Abschnitt, irr­tüm­lich einem Zustieg zu einer Klet­ter­rou­te in der Sta­del­wand folgt. Dar­um ist der Tipp, sich immer rechts zu hal­ten, mög­li­cher­wei­se hilfreich.
Auf etwa 900m Höhe stößt man auf ein Schot­ter­feld, das, zumin­dest im Auf­stieg, auf­grund sei­nes Gefäl­les nicht begeh­bar erscheint (sie­he 4. Bild “Der Sta­del­wand­gra­ben knapp unter dem Sat­tel”). Hier biegt in einer Ser­pen­ti­ne der Weg etwas unschein­bar nach rechts, weg vom Schot­ter, in den Wald ab, wo sich zwar eine ein­zel­ne rote Mar­kie­rung mit einem Pfeil fin­det, die­se ist aber even­tu­ell leicht zu über­se­hen.
Auf der Märchenwiese, im Hintergrund die Forsthütte. Rechts hinten der Waxriegel, ganz links oben der Gipfel vom Klosterwappen.

Auf der Märchenwiese

Es folgt ein kur­zer Abschnitt, der wegen aus­ge­setz­ten Trit­ten erhöh­te Auf­merk­sam­keit erfor­dert. Nach einem äußerst reiz­vol­len Wald­stück hat man schließ­lich den mar­kan­ten Sta­del­wand­sat­tel erreicht. Hier kommt auch ein Weg aus dem zuvor erwähn­ten stei­len Schot­ter­feld her­auf, ich den­ke aber, dass der Wald­weg die bes­se­re Wahl ist. Nun kann man sich ein wenig erho­len, denn der Weg ver­läuft die nächs­ten Minu­ten unter den Aus­läu­fern der Sta­del­wand hori­zon­tal Rich­tung Ost­nord­ost, um spä­ter wei­ter mar­kie­rungs­los in Ser­pen­ti­nen zurück zum Gip­fel der Sta­del­wand auf 1.407m zu füh­ren. Man hat die Mär­chen­wie­se erreicht. Geschätz­te Geh­zeit bis hier­her: 2 bis 2½ Stunden.

Auf der Stadelwand 1.407m, im Hintergrund Hirschwang

Auf der Sta­del­wand, 1.407m

Wie­der ist die Fort­set­zung des Weges etwas schwie­rig zu fin­den. Von der Forst­hüt­te aus hält man sich nach Nord­wes­ten und sucht einen mar­kan­ten, knor­ri­gen Baum. Dort beginnt der Ver­bin­dungs­weg zum süd­li­chen Gra­fen­steig, der nur 100 Höhen­me­ter über der Forst­hüt­te liegt und wo auch end­lich der ers­te Weg­wei­ser steht, der uns die Rich­tung zum Klos­ter­wap­pen zeigt. Jetzt ist ein guter Zeit­punkt, die wei­te­re Rou­te noch­mals zu über­den­ken. Soll­te das Wet­ter Pro­ble­me berei­ten oder sich im Jau­sen­sa­ckerl zu wenig Moti­va­ti­on befin­den, kann man die Rou­te hier bequem über den süd­li­chen Gra­fen­steig Rich­tung Kien­tal­er­hüt­te abkür­zen. Wir wol­len heu­te aber noch einen Gip­fel errei­chen
Der Wegweiser am südlichen Grafensteig

Weg­wei­ser am südl. Grafensteig

und hal­ten uns daher schnur­stracks berg­auf nach Nor­den, der grü­nen Mar­kie­rung fol­gend. Von der Mär­chen­wie­se bis zum Klos­ter­wap­pen sind 650 Höhen­me­ter zu über­win­den, man soll­te also 1½ bis 2 Stun­den Geh­zeit ein­pla­nen.
Der Weg über­quert bald die Wald­gren­ze und man taucht fast über­gangs­los in den dich­ten Lat­schen­gür­tel ein, der Sta­del­wand­lei­ten. Immer wie­der erge­ben sich Aus­bli­cke in den west­li­chen Kolin­gra­ben und die öst­li­che Bock­gru­be, ganz abge­se­hen von der berau­schen­den Aus­sicht nach Süden, zur Rax und dem unüber­seh­ba­ren Ein­schnitt ins Höl­len­tal.
Das Höllental von der Stadelwandleiten aus gesehen.

Die Rax mit dem gro­ßen Höllental


Wer sich auf der Sta­del­wand­lei­ten lei­se bewegt hat gute Chan­cen auf Gamswild-​Sichtung. Aber auch die Flo­ra hat eini­ges zu bie­ten, so blü­hen im Früh­jahr zahl­lo­se Enzi­an auf der Alm zum Klos­ter­wap­pen.
Bis hier­her spen­de­te der Gra­ben und Wald ange­neh­me Küh­le, mit dem Beginn der Sta­del­wand­lei­ten ist damit aber Schluss. Ab nun ist man der Son­ne unge­schützt aus­ge­lie­fert und die letz­ten 400 Höhen­me­ter kön­nen zur Qual wer­den. Sobald man den Lat­schen­gür­tel ver­lässt ist der Gip­fel (bzw. die Sen­de­an­la­ge) des Klos­ter­wap­pens wie­der zu sehen. Unter­wegs bie­tet sich ein (vor­sich­ti­ger) Blick in die öst­lich lie­gen­de Bock­gru­be an, der süd­li­che Gra­fen­steig ist deut­lich aus­zu­ma­chen.
blauer Enzian auf der Stadelwandleiten

blau­er Enzi­an auf der Stadelwandleiten

Auf etwa 1.960m kommt man am Pott­scha­cher Kreuz vor­bei, das an den 1950 ver­un­glück­ten Karl Haber­ler erin­nert. Und schließ­lich steht man am höchs­ten Berg Nie­der­ös­ter­reichs, auf 2.076m.

Auf der Stadelwandleiten am Pottschacher Kreuz

Sta­del­wand­lei­ten am Pott­scha­cher Kreuz

Für den Abstieg bie­ten sich wie­der meh­re­re Mög­lich­kei­ten. Wer es eilig hat kann gleich nach Wes­ten, süd­lich vom Schnee­gra­ben, Rich­tung Kien­tal­er­hüt­te abstei­gen. Dabei ver­zich­tet man aber auf die Aus­sicht vom Kai­ser­stein und die wun­der­schö­ne Gegend rund um den Schau­er­stein. Dar­um führt mei­ne Rou­ten­be­schrei­bung wei­ter Rich­tung Nor­den über die Hacker­mul­de zur Fischer­hüt­te und dem Kai­ser­stein, der mit sei­nen 2.049m etwas unter dem Klos­ter­wap­pen liegt.
Das Klosterwappen von der Fischerhütte aus gesehen.

Klos­ter­wap­pen

Für die­sen “Umweg” über den Kaiser- und Schau­er­stein muss man eine gute Stun­de mehr ein­pla­nen. Den Kai­ser­stein Rich­tung Kien­tal­er­hüt­te kann man durch den Wur­z­en­gra­ben oder über den Schau­er­stein ver­las­sen. Ers­te­ren habe ich noch nicht began­gen, der obe­re Abschnitt mit sei­nen stei­len Schot­ter­fel­dern sieht aber nicht ein­la­dend aus. Der Schau­er­stein bie­tet einen fel­si­gen Abstieg durch dich­te Lat­schen und wird übli­cher­wei­se gewählt, dem­entspre­chend herrscht dort mehr Ver­kehr, jedoch nicht zu ver­glei­chen mit den Zustän­den beim Abstieg vom Klos­ter­wap­pen. Die Abzwei­gun­gen zu den bei­den Wegen fin­det man wie folgt:
Vom Kaiserstein zum Schauerstein

Vom Kai­ser­stein zum Schauerstein

Der Abstieg zum Wur­z­en­gra­ben befin­det sich genau west­lich der Fischer­hüt­te, der zum Schau­er­stein etwas nörd­li­cher, genau west­lich des Kai­ser­steins.
Latschenfelder am Schauerstein

Lat­schen­fel­der am Schauerstein

Vor­sicht ist am Weg zwi­schen Gip­fel und Lat­schen­gür­tel ange­bracht: Seit Jah­ren liegt dort, teil­wei­se in den Boden ein­ge­wach­sen, ein leicht zu über­se­hen­der Sta­chel­draht!
Knapp vor Errei­chen des Och­sen­bo­dens sieht man im Aus­lauf des Wur­z­en­gra­bens die von der Orts­stel­le Wien des Öster­rei­chi­schen Berg­ret­tungs­diens­tes betreu­te Heinrich-​Krempel-​Hütte. Der Och­sen­bo­den ist dann nur noch weni­ge Minu­ten ent­fernt.
Vom Schauerstein zum Ochsenboden

Vom Schau­er­stein zum Ochsenboden

Beim Fleischer-​Gedenkstein hält man sich schließ­lich links und folgt dem Weg, teil­wei­se leicht berg­auf, bis zu den “drei Fich­ten” bzw. dem Anton-​Witzani-​Kreuz, jener Kreu­zung, bei der wir auf den Weg vom Klos­ter­wap­pen tref­fen.
Weggabelung bei den drei Fichten

Bei den drei Fichten

120 Höhen­me­ter tie­fer haben wir die Kien­tal­er­hüt­te erreicht, einem äußerst belieb­ten Aus­flugs­ziel an son­ni­gen Som­mer­wo­chen­en­den, bedingt durch die Weich­t­al­klamm. Für den Weg vom Klos­ter­wap­pen über den Kaiser-, dem Schauer- und dem Fleischer-​Gedenkstein bis zur Kien­tal­er­hüt­te benö­tigt man gut zwei Stun­den, etwa eine Stun­de län­ger als über den Weg direkt vom Klos­ter­wap­pen zur Kien­tal­er­hüt­te.
Die Kientalerhütte, 1.380m

Die Kien­tal­er­hüt­te, 1.380m

Jetzt ist nur noch der Weg zum Weich­t­al­haus zu über­win­den, es wol­len noch 800 Höhen­me­ter abge­baut wer­den. Zuerst führt der Weg unter der Hüt­te durch einen Wald, um bei der Jakobs­quel­le auf eine Forst­stra­ße zu tref­fen. Hier teilt sich der Weg in den Ferdinand-​Mayr-​Weg und jenen Pfad, der aus der Weich­t­al­klamm empor führt. Übli­cher­wei­se geht man über die Klamm hin­auf und den Ferdinand-​Mayr-​Weg hin­un­ter, allei­ne schon aus Respekt vor den her­auf­kom­men­den Wan­de­rern. Wenn es schon spät am Nach­mit­tag ist, kann man aber auch einen Abstieg über die
Abzweigung am Ferdinand-Mayr-Weg

Ferdinand-​Mayr-​Weg

Klamm recht­fer­ti­gen, weil sich der Gegen­ver­kehr in Gren­zen hal­ten wird. Wir hal­ten uns jetzt aber rechts und fol­gen der Schot­ter­stra­ße, bis der Weg in einer Rechts­kur­ve deut­lich beschil­dert links in den Wald hin­un­ter sticht. Der rest­li­che gut mar­kier­te Weg führt idyl­lisch durch einen wun­der­schö­nen Wald, bis man, von der Kien­tal­er­hüt­te gerech­net, nach etwa 1½ bis 2 Stun­den letzt­end­lich den Aus­gang unse­rer Rou­te, das Weich­t­al­haus erreicht. Für die gan­ze Tour soll­te man zwi­schen 8 und 9 Stun­den inkl. Pau­sen ein­rech­nen, es sind auf einer Distanz von 15km über 1.500 Höhen­me­ter im Auf- und Abstieg zu bewäl­ti­gen, der Ein­stieg in den Sta­del­wand­gra­ben gilt als tiefst mög­li­cher Aus­gangs­punkt für eine Schneebergbesteigung.
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