Payerbach - Krummbachstein - Klosterwappen - Puchberg

Von in geografie

Panorama von der Rax bis zum Kosterwappen, Schneeberg. Aufgenommen vom Krummbachstein

Rax-​Schneeberg-​Panorama

Der Schnee­berg, mit dem Klos­ter­wap­pen der höchs­te Berg Nie­der­ös­ter­reichs, bie­tet im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes viel­sei­ti­gen Wan­der­ge­nuss. Die­ses Wochen­en­de habe ich ihn mir von Payer­bach kom­mend ange­se­hen und weil die­se Vari­an­te äußerst abwechs­lungs­reich, von der Aus­sicht her wun­der­schön, zumin­dest abschnitts­wei­se weni­ger bekannt und mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln per­fekt zu errei­chen ist, möch­te ich die Rou­te hier beschreiben.

Das Höhenprofil von Payerbach über den Krummbachstein, das Klosterwappen nach Puchberg

Höhen­pro­fil Payerbach-Klosterwappen-Puchberg

Der Weg von Payer­bach über den Krumm­bach­stein auf das Klos­ter­wap­pen und schließ­lich nach Puch­berg ist kon­di­tio­nell anspruchs­voll. Bedingt durch den Abstieg vom Krumm­bach­stein zum Krumm­bach­sat­tel sind ins­ge­samt über 1.800 Höhen­me­ter im Auf­stieg zu über­win­den. Die­se Rou­te lässt sich über den Was­ser­steig etwas ent­schär­fen, wodurch man den Krumm­bach­stein rechts lie­gen lässt. Ursprüng­lich woll­te ich, vom Schnee­berg kom­mend, über den Was­ser­steig nach Payer­bach abstei­gen, aber das Vor­han­den­sein grö­ße­rer Alt­schnee­fel­der auf den Hän­gen des Krumm­bach­steins, die bei die­sem Vor­ha­ben (even­tu­ell) hät­ten über­quert wer­den müs­sen, waren mir zu gefähr­lich. Außer­dem scheint mir der Abstieg vom Dam­böck Haus zum Krumm­bach­sat­tel nicht zu den größ­ten Freu­den des Berg­stei­gens zu zäh­len, schon gar über den Emmi­steig. Ich will aber nicht dar­auf bestehen, dass der Weg nach Puch­berg am Schnee­berg unbe­dingt ein Geheim­tipp wäre. Daher böte sich für den Abstieg als Alter­na­ti­ve noch der Fischer­steig an und, wenn die Bege­hung des Was­ser­steigs nicht mög­lich sein soll­te, der län­ge­re Weg über die Lack­abo­den­hüt­te zurück nach Payer­bach. Sowohl Payer­bach als auch Puch­berg ver­fü­gen über eine her­vor­ra­gen­de öffent­li­che Ver­kehrs­an­bin­dung mit­tels Bahn­ver­kehr. Wem am nicht enden wol­len­den Weg nach Puch­berg die Knie­schei­ben am Kinn zu scheu­ern begin­nen, kann sich auch in die Schnee­berg­bahn set­zen (Vor­sicht, in der Haupt­sai­son sind die Plät­ze meist ausgebucht!).

Blick vom Schneedörfel zur Rax

Blick vom Schnee­dör­fel zur Rax

Wir begin­nen unse­ren Weg also beim Bahn­hof in Payerbach-​Reichenau. Eine Unter­füh­rung bringt uns auf die Nord­sei­te der Glei­se, wo wir uns am Bahn­steig gleich Rich­tung Wes­ten hal­ten. Die Stra­ße führt kurz steil berg­auf, nach weni­gen Metern steht der ers­te höl­zer­ne Weg­wei­ser zum Friedrich-​Haller-​Haus. Die­sem und, nach einem kur­zen Wald­stück spä­ter der Stra­ße fol­gend erreicht man nach etwa einer Vier­tel­stun­de, nach dem alten Feu­er­wehr­haus, schö­nen Vil­len und dem Forst­haus, die “Eng” und den Mari­en­steig. Die Eng ist berühmt für die Holz­brin­gungs­ar­bei­ten bis zur Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts.
Das Foto zeigt den rekonstruierten Teil der ehemals 7km langen Holzries in der Eng bei Payerbach

Holz­ries in der Eng

Die vie­le Kilo­me­ter lan­ge Holz­ries wur­de teil­wei­se rekon­stru­iert, eine Tafel infor­miert über die gefähr­li­che Arbeit des Holztransports. 

Wir fol­gen dem idyl­li­schen Weg bis zur unschein­ba­ren Abzwei­gung in den Lack­abo­den­gra­ben, wo wir uns links berg­auf hal­ten. Nach der Abzwei­gung fin­det der auf­merk­sa­me Wan­de­rer noch Über­res­te der alten Holz­ries. Der Weg führt nun abwech­selnd auf einer Forst­stra­ße und einem schma­len Wald­weg durch den Mit­ter­berg­gra­ben ste­tig berg­auf, bis man nach einem stei­len Wald­stück wie­der auf eine Forst­stra­ße trifft. Hier auf knapp 1.200m muss man auf­merk­sam auf den weni­ge hun­dert Meter spä­ter links abzwei­gen­den und nicht geson­dert aus­ge­wie­se­nen Weg ach­ten, andern­falls geht man auf der Forst­stra­ße einen ordent­li­chen Umweg.

Das nach einem Brand zerstörte Friedrich-Haller-Haus und nun neu erbaute Naturfreundehaus

Friedrich-​Haller-​Haus

Schließ­lich erreicht man auf 1.250m eine gro­ße Wie­se, die Knofe­le­ben am Gahns, wo auch das neue Natur­freun­de­haus, vor­mals Friedrich-​Haller-​Haus, schon von wei­tem zu sehen ist (letz­ten Herbst stan­den dort noch nicht ein­mal die Mauern).

Der Ein­stieg in den Was­ser­steig ist lei­der immer noch nicht beschil­dert und für Orts­un­kun­di­ge wohl schwer zu fin­den. Am bes­ten geht man ein­fach vor dem Natur­freun­de­haus vor­bei und sucht im Wald hin­ter dem Haus genau im Wes­ten einen klei­nen aus­ge­tre­te­nen Weg. Die­ser führt in einem wei­ten Bogen bald nach Nor­den, wo wie­der­um ohne wei­te­rer Beschil­de­rung der Schi­blsteig abzweigt.

Echte Schlüsselblume am Schiblsteig zum Krummbachstein

Ech­te Schlüsselblume

Hier hal­ten wir uns also rechts und fol­gen dem Steig, der teil­wei­se sehr aus­ge­setzt (Tritt­si­cher­heit, gutes Schuh­werk!) und mit tol­len Aus­bli­cken auf Schnee­berg und Rax steil berg­auf zum Gip­fel des Krumm­bach­steins führt. Man soll­te aber auch der nähe­ren Umge­bung etwas Auf­merk­sam­keit schen­ken, denn der Schi­blsteig ist, zur rich­ti­gen Jah­res­zeit natür­lich, über­sät mit Schlüs­sel­blu­men, Enzi­an und Alpen-Kuhschellen.
Knapp unter­halb des Gip­fels muss man sich eher links hal­ten, um nicht irr­tüm­lich den Weg rund um den Gip­fel zu erwi­schen. Und so hat man nach etwa 3 Stun­den Geh­zeit (ohne Pau­se) den Krumm­bach­stein erreicht.

Am Gipfel des Krummbachsteins, auf 1.602m

Der Krumm­bach­stein, 1.602m

Vom Krumm­bach­stein geht es Rich­tung Osten wei­ter, wo man gleich an der Alpen­freun­de­hüt­te vor­bei­kommt. Wenn ein nicht sel­te­ner star­ker Wind am Gip­fel wenig zum Ras­ten ein­lädt, kann man es sich hier gemüt­lich machen und mit etwas Glück ist die Hüt­te auch “bewir­tet”. Der Weg führt dann in einem brei­ten Weg durch das Latschen-​Dickicht Rich­tung Alpl, wo wir uns wie­der links hal­ten. Ein ein­sa­mer klei­ner, grün mar­kier­ter Pflock, der aber bereits im Hoch­som­mer meist über­wu­chert ist, mar­kiert den Abstieg zum Krumm­bach­st­ein­sat­tel. Bis dort­hin ver­lie­ren wir fast 300 Höhen­me­ter. Am Sat­tel geht es gleich wei­ter Rich­tung Nord­wes­ten, wo sich auf einer Lich­tung der süd­li­che Grafen-, der Emmi- und der Fischer­steig tref­fen.
Die Alpenfreundehütte am Krummbachstein, im Hintergrund ist der Schneeberg zu sehen

Die Alpen­freun­de­hüt­te am Krummbachstein

Wir hal­ten uns an die gel­be Mar­kie­rung und fol­gen dem wenig began­ge­nen Emmi­steig, der aben­teu­er­lich zwi­schen Lat­schen Rich­tung Nord­wes­ten führt. Wer sich hier natur­ver­bun­den bewegt hat gute Chan­cen auf Gem­sen zu tref­fen, die sich in der stei­len und fel­si­gen Gegend sicht­lich wohl füh­len. Wie ich in Erfah­rung brin­gen konn­te wur­de der Steig vor drei Jah­ren zuletzt gepflegt, die Lat­schen haben sich in der Zwi­schen­zeit des Weges wie­der bemäch­tigt; stel­len­wei­se ist der Steig nur schwer begeh­bar. Wegen der Steil­heit soll­te man für die 500 Höhen­me­ter im Emmi­steig ein­ein­halb Stun­den ein­pla­nen. Aus­ge­setz­te Stel­len laden aber auch zu einer ein­sa­men Rast ein, bevor man schließ­lich knapp vor dem Dam­böck Haus auf den Tou­ris­ten­tram­pel­pfad von der Schneebergbahn-​Bergstation trifft.
Das Schneebergmassiv vom Damböck Haus aus gesehen

Das Schnee­berg­mas­siv vom Dam­böck Haus

Glück­lich schätzt sich, wer hier nicht am Wochen­en­de unter­wegs ist, denn die Men­schen­mas­sen, die von der Schnee­berg­bahn her­an­ge­karrt wer­den, pas­sen so gar nicht zur Sze­ne­rie, die sich vom Dam­böck Haus Rich­tung Süden bietet. 
Vom Klosterwappen Richtung Norden, vor uns der Ochsenboden und dahinter das Damböck Haus

Vom Klos­ter­wap­pen Rich­tung Norden

Schließ­lich neh­men wir noch die letz­ten 250 Höhen­me­ter bis zum Klos­ter­wap­pen in Angriff. Wie man den Gip­fel erreicht, ist letzt­end­lich Geschmacks­sa­che: Ent­we­der über die Schot­ter­stra­ße dem Alm­auf­trieb hin­ter­her und von der Fischer­hüt­te über den Grad zum Klos­ter­wap­pen, oder die Diret­tis­si­ma neh­mend durch den Och­sen­bo­den. Der Aus­blick ent­schä­digt reich­lich für die Strapazen.

Vom Klosterwappen Richtung Süden

Vom Klos­ter­wap­pen Rich­tung Süden

Für den Abstieg bie­ten sich wie bereits erwähnt meh­re­re Mög­lich­kei­ten an. Rich­tung Süden kann man zur Kienthal­er­hüt­te und von dort über den Ferdinand-​Mayr-​Weg zum Weich­t­al­haus abstei­gen. Von der Weich­t­al­klamm soll­te man im Abstieg eher abse­hen, schon aus Höf­lich­keit den Auf­stei­gen­den gegen­über. Beim Abstieg zum Weich­t­al­haus soll­te man sich aber der sel­te­nen Fahr­zei­ten des Bus­ses bewusst sein. Den Abstieg ent­lang unse­rer Auf­stiegs­rou­te habe ich schon ange­spro­chen. Den Krumm­bach­stein muss man sich nicht ein zwei­tes Mal antun, der Was­ser­steig oder der Lack­abo­den­gra­ben bie­ten Abwechs­lung und Abkür­zung. Eine von mir jetzt schon
Puchberg, gesehen vom Bahnwanderweg

Puch­berg, gese­hen vom Bahnwanderweg

öfters began­ge­ne Abstiegs­rou­te führt über den Bahn­wan­der­weg der Schnee­berg­bahn nach Puch­berg am Schnee­berg. Ich habe den Weg bereits bei mei­ner Schneeberg-​Überschreitung beschrie­ben, gemüt­lich beschrit­ten benö­tigt man von der Berg­sta­ti­on bis zum Bahn­hof in Puch­berg etwa zwei­ein­halb Stun­den. Die rund 1.500 Höhen­me­ter vom Schnee­berg ins Tal müs­sen so oder so über­wun­den wer­den. Ob die nicht enden wol­len­de Schot­ter­stra­ße nach Puch­berg die bes­te Lösung ist, muss jeder für sich ent­schei­den. Zumin­dest die tech­ni­sche und archi­tek­to­ni­sche Meis­ter­leis­tun­gen des Schneebergbahn-​Baus sind es wert, sich die­sen Weg ein­mal anzu­tun anzusehen.

Dau­er für die­se Tour: Etwa 8½ Stun­den (ohne Pau­sen). 26km Län­ge, 1.800m im Auf­stieg, 1.700m im Abstieg.

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