Schneeberg-​Überschreitung

Von in geografie

Fotografie mit Blick vom Ochsenboden zum Schneeberg, links das Klosterwappen, rechts der Kaiserstein

Der Schnee­berg

Der Schnee­berg, Nie­der­ös­ter­reichs höchs­ter Berg, eig­net sich her­vor­ra­gend für eine Über­schrei­tung. Eine mög­li­che Rou­te, von der Weich­t­al­klamm über die Kien­tal­er­hüt­te, den Flei­scher Gedenk­stein, den Kai­ser­stein, das Klos­ter­wap­pen, den Wax­rie­gel und über den Bahn­wan­der­weg der Schnee­berg­bahn nach Puch­berg am Schnee­berg, möch­te ich hier beschrei­ben.

Anreise

Auf den Schnee­berg füh­ren vie­le Wege. Möch­te man den inter­es­san­ten Steig durch das Weich­tal wäh­len, muss man sich mit den spär­li­chen Trans­port­mög­lich­kei­ten zwi­schen Payer­bach und dem Weich­tal Haus näher beschäf­ti­gen, denn die Bus­ver­bin­dung wird nur drei bis vier Mal täg­lich bedient (unbe­dingt die Fahr­plä­ne auf oebb.at anse­hen!). Ich emp­feh­le die stress­freie Vari­an­te ohne Auto: Mit dem Zug nach Payer­bach und dem Bus zum Weich­tal Haus, am Abend gemüt­lich mit dem stünd­lich fah­ren­den Zug von Puch­berg zurück nach Wie­ner Neu­stadt. Auch bei der Anrei­se mit dem Auto ist man gut bera­ten, das Fahr­zeug in Wie­ner Neu­stadt ste­hen zu las­sen. Payer­bach wäre eben­so eine Opti­on, weil auch hier noch bis in den spä­ten Abend eine viel befah­re­ne Zug­ver­bin­dung besteht. Mit dem Auto bis zum Weich­tal Haus zu fah­ren hät­te zwar den gro­ßen Vor­teil, sehr früh in die oft über­lau­fe­ne Weich­t­al­klamm ein­stei­gen zu kön­nen (und man ent­gin­ge dem Alm­auf­trieb durch den Bus), aller­dings steht man dann unter Zeit­druck den letz­ten Bus von Payer­bach zu erwi­schen, der bereits am frü­hen Abend abfährt.

Schwie­rig­keit und Dauer

Fotografie einer Schlüsselstelle in der Weichtalklamm. An Wochenenden kann es wegen der großen Beliebtheit des Klettersteigs an den Schlüsselstellen zu Wartezeiten kommen.

In der Weich­t­al­klamm

Der Schnee­berg soll­te nicht unter­schätzt wer­den. Vom Weich­tal Haus sind bis zum Gip­fel 1.500 Höhen­me­ter zu über­win­den und der anschlie­ßen­de Bahn­wan­der­weg bis Puch­berg ver­langt Aus­dau­er. Die Weich­t­al­klamm erfor­dert gute Tritt­si­cher­heit, eini­ge Stel­len kön­nen bei Feuch­tig­keit sehr rut­schig sein, Schnee und Regen machen die Klamm unter Umstän­den unpas­sier­bar. Schlüs­sel­stel­len sind mit Lei­tern und Stahl­stif­ten aus­ge­stat­tet, eine zusätz­li­che per­sön­li­che Siche­rung soll­te nicht erfor­der­lich sein. Die Weich­t­al­klamm wird ger­ne auch von Fami­li­en began­gen, Kin­der möch­te man even­tu­ell an ein oder zwei Stel­len ansei­len. Die hier beschrie­be­ne Rou­te ist über 22km lang, man soll­te damit bis in den spä­te­ren Nach­mit­tag beschäf­tigt sein.

Wegbeschreibung

Fotografie mit Blick am Weg zum Fleischer-Gedenkstein nach Westen. Rechts ist der Kuhschneeberg mit den Fronbachwänden zu sehen, im Hintergrund erhebt sich die Rax.

Blick am Weg zum Fleischer-​Gedenkstein nach Wes­ten

Der Weg beginnt beim Weich­tal Haus-​Parkplatz auf 547m. Soll­te man sich gegen die Klamm ent­schei­den, nimmt man den Ferdinand-​Mayr-​Weg hin­ter der Hüt­te links. Unser Weg führt aber gleich rechts in das roman­ti­sche Tal und durch einen fins­te­ren Urwald. Der Auf­stieg wird immer wie­der durch kur­ze Klet­ter­pas­sa­gen unter­bro­chen, wenn vie­le Wan­de­rer unter­wegs sind, soll­te man das wört­lich neh­men. Nach etwa zwei­ein­halb Stun­den ist die Weich­t­al­klamm durch­schrit­ten und man erreicht eine Forst­stra­ße, den Ferdinand-​Mayr-​Weg. Hier geht es aber gleich auf einem schma­len Pfad wei­ter steil berg­auf, vor­bei an der Jakobs­quel­le, bis man schließ­lich auf 1380m unver­mit­telt vor der Kien­tal­er­hüt­te steht. Wer über­schüs­si­ge Ener­gie hat, kann schnell auf den Turm­stein neben der Hüt­te klet­tern. Als Beloh­nung winkt ein atem­be­rau­ben­der Aus­blick.

Fotografie vom Kaiserstein auf 2061m mit der Fischerhütte und Blick Richtung Klosterwappen

Am Kai­ser­stein, 2061m

Nach einer Stär­kung geht es in Ser­pen­ti­nen wie­der steil berg­auf, bis man bald eine Weg­ga­be­lung erreicht. Der eigent­li­che Weg führt nun mehr oder weni­ger gera­de zum Klos­ter­wap­pen empor. Ich emp­feh­le hier den lin­ken Weg zu neh­men, ich hal­te ihn für abwechs­lungs­rei­cher und er ist mit Sicher­heit weni­ger fre­quen­tiert. Wir hal­ten uns also links und fol­gen dem Weg zunächst eben Rich­tung Wes­ten (Vor­sicht! Que­ren­de Bäche machen den Weg uner­war­tet rut­schig. Man soll mich dort kurz­fris­tig mit dem Gesäß näher am Boden gese­hen haben), dann kurz auch etwas berg­ab, wo die Bäu­me den Blick in die Fron­bach­wän­de frei­ge­ben. Schließ­lich erreicht man auf einer Wei­de den Flei­scher Gedenk­stein am Och­sen­bo­den. Wir hal­ten uns rechts und fol­gen dem Weg auf den Schau­er­stein. Wer möch­te, kann auch rech­ter Hand dem Wur­z­en­gra­ben fol­gen, des­sen Aus­stieg aller­dings über unbe­fes­tig­ten Schot­ter führt; der Weg über den Schau­er­stein ist weni­ger beschwer­lich. Bald fin­det man sich mit­ten im Lat­schen­feld, durch den ein guter Weg steil berg­auf führt. Myria­den klei­ner Flie­gen schwir­ren einem hier um den Kopf, stö­ren aber uner­war­tet nicht wei­ter. Nach etwa 200 Höhen­me­tern hat man den Lat­schen­gür­tel hin­ter sich gebracht und nach wei­te­ren sich etwas zie­hen­den 200 Metern steht man auch schon am Kai­ser­stein, atem­be­rau­ben­de Aus­bli­cke inklu­si­ve.

Fotografie der Bergstation der Schneebergbahn auf 1795m

Die Berg­sta­ti­on der Schnee­berg­bahn auf 1795m

Nach einem kur­zen Auf­ent­halt in der Fischer­hüt­te machen wir noch einen Abste­cher auf das 27 Meter höhe­re Klos­ter­wap­pen (weil der Sen­de­turm dort so schön ist) und stei­gen dann über den stei­len Tram­pel­pfad Rich­tung Nor­den ab. Im Som­mer 2011 ging mir hier bei unan­ge­nehm hohen Tem­pe­ra­tu­ren der Was­ser­vor­rat aus, den ich im Dam­böck­haus wie­der auf­zu­fül­len gedach­te, was ich aber ob der sich dort abspie­len­den Sze­nen gleich wie­der ver­warf. Auf der Berg­sta­ti­on der Schnee­berg­bahn kommt man schnel­ler an eine Erfri­schung, wenn­gleich dort natür­lich auch nicht gera­de stil­le Ein­sam­keit herrscht. Eine Rast soll­te man sich jedoch gön­nen, denn jetzt war­tet der beschwer­li­che Abstieg, 1.100 Höhen­me­ter wol­len noch ver­nich­tet wer­den.

Fotografie vom Bahnwanderweg auf etwa 1600m. Rechts sieht man den Großen Sattel und den Niederen Hengst, im Hintergrund liegt Puchberg am Schneeberg

Blick Rich­tung Puch­berg am Schnee­berg

Vom Hotel Hoch­schnee­berg geht man zuerst ein paar Meter den Glei­sen der Schnee­berg­bahn ent­lang, vor­bei am Eli­sa­beth­kirch­lein. Dann zweigt der Weg links über eine Wei­de ab, man folgt dem Weg­wei­ser. Ein Pfad führt zwi­schen Lat­schen­fel­dern steil berg­ab. Immer wie­der wird die Sicht auf die sich durch die Land­schaft schlän­geln­de Zahn­rad­bahn frei­ge­ge­ben, noch ist man hoch genug, um bis nach Puch­berg zu sehen, unse­rem Tages­ziel. Auf etwa 1.650m soll­te man auf eine Abzwei­gung ach­ten und sich links hal­ten, um nicht irr­tüm­lich Rich­tung Kurmm­bach­sat­tel abzu­stei­gen.

Bald trifft man wie­der auf die Zahn­rad­bahn, der man ab nun nicht mehr von der Sei­te weicht. Ab der Adolf-​Kögler Hüt­te wan­dert man ohne Unter­bre­chung auf einer stau­bi­gen Schot­ter­stra­ße, die unbarm­her­zig unun­ter­bro­chen steil berg­ab führt. Irgend­wann hat man dann doch dan­kend Puch­berg erreicht. Wie ich bereits in mei­nem Arti­kel Payer­bach - Krumm­bach­stein - Puch­berg beschrie­ben habe soll­te man dar­auf ach­ten, im Ort Puch­berg beim Bahn­über­gang der Zahn­rad­bahn nicht links den Sie­bert­weg, son­dern rechts die Schnee­berg­- und dann die Bahn­stra­ße zu neh­men, also den Bahn­hof von Süden zu errei­chen. Sonst muss man näm­lich den Bahn­hof ein­mal kom­plett umrun­den. Als ob man nach die­ser lan­gen Tour nicht schon genug gegan­gen wäre.

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