Payerbach - Krummbachstein - Puchberg

Von in geografie

Fotografie vom Krummbachstein, der Rax, dem Schneeberg und dem Waxriegel, vom Sattel hinter der Alpenfreundehütte aufgenommen.

Krummbachstein-​Schneeberg-​Panorama

Im Herbst 2011 habe ich eine fan­tas­ti­sche Wan­de­rung von Payer­bach über den Krumm­bach­stein nach Puch­berg unter­nom­men. Weil die­se Über­schrei­tung im Schneeberg-​Gebiet zu den sel­te­ner began­ge­nen Rou­ten gehört, möch­te ich sie hier für Nach­ah­mungs­wil­li­ge beschreiben.

Anreise

Die Zug­ver­bin­dung nach Payer­bach ist so gut, dass sich eine auto­freie Anrei­se anbie­tet. Man kann aber auch mit dem Auto zum Bahn­hof in Payer­bach fah­ren und spä­ter mit dem Zug von Puch­berg zurück­keh­ren (aller­dings mit einem Umstieg in Wie­ner Neu­stadt). Die stünd­li­chen Zug­in­ter­val­le nach Payer­bach und von Puch­berg, hier vor allem bis in den Abend hin­ein, ermög­li­chen den Ver­zicht auf ein ande­res Ver­kehrs­mit­tel. Detail­lier­te Fahr­plä­ne fin­det man auf den Sei­ten der ÖBB.

Schwierigkeit und Dauer

Der hier beschrie­be­ne Weg ist 17km lang, es sind 1.100m im Auf­stieg und 1.000m im Abstieg zu bewäl­ti­gen. Abschnit­te in der “Eng”, beson­ders der “Schi­blsteig” und der Wald­weg zum Krumm­bach­sat­tel erfor­dern Tritt­si­cher­heit. Für den stei­len Gip­fel­an­stieg ist Kon­di­ti­on gefragt, für den end­lo­sen Weg nach Puch­berg soll­te man auch geis­ti­ge Aus­dau­er mit­brin­gen. Der Gip­fel ist in 2 1/​2 bis 3 Stun­den erreich­bar, den Abstieg nach Puch­berg soll­te man aller­dings wegen der Distanz nicht unter­schät­zen. Mit einer Pau­se bei der Alpen­freun­de­hüt­te und spä­ter auf der Ternitzer- oder Hengst­hüt­te kann die gan­ze Tour an die 7 bis 8 Stun­den dau­ern. Alter­na­tiv kann man ab der Hal­te­stel­le Ter­nit­zer­hüt­te die Zahn­rad­bahn benüt­zen, die an schö­nen Som­mer­wo­chen­en­den aber unter Umstän­den aus­ge­bucht ist, ein Zustei­gen ist dann nicht mög­lich. Bei Schnee ist von der Tour abzu­ra­ten, aber auch Näs­se kann die “Eng” sehr rut­schig gestalten.

Die Rou­te ist gleich an meh­re­ren Stel­len mög­li­cher­wei­se schwer zu fin­den. Ich rate drin­gend, eine Kar­te mit­zu­neh­men. Trotz GPS-​Unterstützung (aller­dings ohne Weg­be­schrei­bung) habe ich mehr­mals den fal­schen Weg gewählt.

Wegbeschreibung

Fotografie vom Krummbachstein, 1602m, links im Hintergrund sieht man den Schneeberg, rechts den Waxriegel

Krumm­bach­stein, 1602m

Unser Weg beginnt auf der Nord­sei­te des Bahn­hofs Payerbach-​Reichenau auf 483m. Wer mit dem Auto anreist und sein Fahr­zeug beim Bahn­hof abstellt, benützt die Unter­füh­rung. Nach­dem man dem Weg ein paar Meter in Rich­tung Payerbach-​Lokalbahn nach Wes­ten gefolgt ist, trifft man auf eine asphal­tier­te Stra­ße, der man rechts steil berg­auf folgt. Weni­ge Meter spä­ter zweigt lin­ker Hand ein Weg ab, der durch einen stei­len Wald führt und in eine Trep­pe über­geht. Die Stu­fen enden wie­der­um in einer Asphalt­stra­ße, der Schnee­dör­fel­stra­ße; wir haben eine ordent­li­che Abkür­zung genom­men. Jetzt folgt man immer die­ser Stra­ße (nie rechts abbie­gen!), die in einem Bogen bald nach Nor­den in das Tal zwi­schen Sau­rüs­sel und Feichta­berg führt: der “Eng”. Am Ende der Asphalt­stra­ße soll­te man sich genau an die Weg­mar­kie­run­gen hal­ten, denn bald zweigt ein Weg rechts ab, der immer wie­der bei Kreu­zun­gen für weni­ge Meter die Schot­ter­stra­ße ver­wen­det. Bald bleibt aber nur noch ein idyl­li­scher Wald­weg, der ste­tig berg­auf zum Mari­en­steig führt.

Der Mari­en­steig ist zwar durch Stahl­sei­le gesi­chert, aber unschwie­rig. Unter­wegs trifft man auf Res­te der alten Holz­rie­se, einer bis 1950 ver­wen­de­ten, sie­ben Kilo­me­ter lan­gen Holz­brin­gungs­an­la­ge. Auf 890m See­hö­he befin­det sich eine Weg­ga­be­lung, die man leicht über­se­hen kann. Hier führt der Weg in den Lack­abo­den­gra­ben wei­ter, einem schö­nen, aber im Spät­som­mer immer völ­lig zuge­wach­se­nen Weg zur Lack­abo­den­hüt­te. Wir hal­ten uns hier aber links, fol­gen dem Weg steil den Wald hin­auf, der bald in den ste­tig anstei­gen­den Mit­ter­berg­gra­ben übergeht.

Fotografie vom Friedrich-Haller-Haus, 1250m, beim Wiederaufbau nach einem Brand im Frühjahr 2011

Friedrich-​Haller-​Haus, 1250m, beim Wie­der­auf­bau im Herbst 2011

Nach einem dich­te­ren Nadel­wald trifft der Weg wie­der auf eine Forst­stra­ße, um weni­ge Meter spä­ter auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te fort­zu­füh­ren (Mar­kie­run­gen beach­ten). Schließ­lich öff­net sich der Wald zu einer Alm­wie­se, der Knofe­le­ben, an deren ande­rem Ende das, nach einem Brand im Früh­jahr 2011, neu erbau­te Friedrich-​Haller-​Haus zu sehen ist. Unser Weg setzt sich genau hin­ter dem Haus fort. Bei mei­ner Bege­hung im Herbst 2011 war der Zugang mit Bau­schutt ver­legt und selbst mit GPS-​Unterstützung benö­tig­te ich meh­re­re Minu­ten, um auf den Weg zu stoßen.

Fotografie unter dem Krummbachstein am Schiblsteig mit Blick Richtung Rax, rechts sieht man einen Teil vom Schneeberg

Krumm­bach­stein, Blick Rich­tung Rax

Nur leicht anstei­gend beginnt hier der “Was­ser­steig”, der um den Krumm­bach­stein her­um­führt. Nach weni­gen Minu­ten zweigt hier aber, in einem mar­kan­ten dich­ten Nadel­wäld­chen, rechts der Schi­blsteig ab (kei­ne Mar­kie­rung, kein Weg­wei­ser). Ab jetzt geht es steil berg­auf, die letz­ten 250 Höhen­me­ter war­ten. Unter­wegs beglei­ten uns atem­be­rau­ben­de Ein­bli­cke in die West­wand des Krumm­bach­steins und eben­sol­che Aus­bli­cke zur Rax. Der Weg führt immer wie­der sehr nahe an die brü­chi­ge Wand her­an, hier soll­te man die Schrit­te mit Bedacht set­zen. Der Gip­fel auf 1602m ist dann nicht mehr weit und ent­schä­digt für die Stra­pa­zen mit einem herr­li­chen Panorama.

Fotografie von der Alpenfreundehütte unter dem Krummbachstein, im Hintergrund sieht man links den Schneeberg und rechts den Waxriegel

Alpen­freun­de­hüt­te unter dem Krummbachstein

Mit etwas Glück hat die Alpen­freun­de­hüt­te unter dem Krumm­bach­stein geöff­net. Der Geheim­tipp ist ein kel­ler­ge­kühl­tes Dosen-​Gösser. Danach geht es beschwingt durch eine Lat­schen­gas­se zum “Alpl”. Hier ist wie­der Auf­merk­sam­keit ange­bracht, denn es gilt den Weg zum Krumm­bach­st­ein­sat­tel zu fin­den. Auf einer klei­nen Lich­tung im Latschen-​Dschungel zweigt er kom­men­tar­los links ab (prak­tisch am “Sat­tel” zum Alpl, aller­dings ist das vor Ort nicht so augen­schein­lich) und wird zu einem stei­len Wald­weg, der bei Näs­se ordent­lich rut­schig sein kann.

Am Krumm­bach­st­ein­sat­tel beginnt ein etwas aben­teu­er­li­cher Stre­cken­ab­schnitt; hier soll­te man sei­ne Posi­ti­on auf der Kar­te nicht ver­lie­ren. Zuerst klet­tert man über den Zaun und hält sich gleich rechts die Wei­de hin­un­ter, die bald in der Keh­rer einer Forst­stra­ße endet, wel­che man über­quert, um sich gleich auf der nächs­ten Wei­de zu fin­den. Nun ist etwas Ent­schlos­sen­heit gefragt, denn der Weg wird immer unschein­ba­rer und droht sich in den Tram­pel­pfa­den der Wei­de­tie­re zu ver­lie­ren. Man hält sich immer strikt nach Osten, leicht berg­ab. Bald stößt man auf einen Zaun, der einen Wald abgrenzt. Dass man auf dem rich­ti­gen Weg ist zeigt eine klei­ne “Tür” im Zaun. Der Weg im Wald geht zuerst gera­de aus und macht bald einen schar­fen Knick nach rechts, dabei führt er immer steil berg­ab. Schließ­lich trifft man wie­der auf eine Forst­stra­ße, der man nach links folgt, bis man ein Wei­de­gat­ter erreicht.

Hier betritt man zum wie­der­hol­ten Male eine Wei­de­flä­che. Bei mei­ner Bege­hung hat sich ein Stier nach mei­nem Geschmack etwas zu sehr für mich inter­es­siert. Wahr­schein­lich war ihm aber die herr­schen­de Hit­ze die Auf­re­gung nicht wert und so erreich­te ich mit wei­chen Kni­en den nächs­ten Zaun auf der Bile­kalm. Die anschlie­ßen­de gut besuch­te Ter­nit­zer Hüt­te bie­tet sich zu einer län­ge­ren Rast an, bevor man den lan­gen Abstieg über die Schot­ter­stra­ße nach Puch­berg in Angriff nimmt. Hier kann man sich auch für die knie­scho­nen­de Vari­an­te ent­schei­den und sich der Zahn­rad­bahn anver­trau­en, die Hal­te­stel­le Ter­nit­zer Hüt­te ist nur weni­ge Minu­ten ent­fernt. (An Som­mer­wo­chen­en­den ist die Bahn oft aus­ge­bucht und ein Zustei­gen nicht möglich!)

Fotografie des Krummbachstein vom Schiblsteig aus, etwa 20 Minuten unter dem Gipfel

Der Schi­blsteig zum Krummbachstein

Zu Fuß geht es die brei­te Schot­ter­stra­ße berg­ab. Hie und da fin­det man ver­fal­le­ne Bahnwanderweg-​Schilder im schi­cken Semmering-​Bahnwanderweg-Design. Denen soll­te man nicht fol­gen, es sei denn, man möch­te sich im Dickicht ver­lie­ren. Der einst bestimmt idyl­li­sche Pfad wur­de von der Natur längst zurück­er­obert. Der Forst­stra­ße und Weg­wei­sern zur Hengst­hüt­te fol­gend fin­det man aber bald zur Zahn­rad­bahn, die man auf der West­sei­te der Glei­se gehend auch nicht mehr ver­lässt (es soll aber auch einen Weg rechts der Glei­se geben). Die Schot­ter­stra­ße führt nun unbarm­her­zig nicht enden wol­lend und teil­wei­se steil berg­ab, die Gegend ist eher… medi­ta­tiv. Mit etwas Glück zieht aber gera­de die Zahn­rad­bahn in atem­be­rau­ben­der Geschwin­dig­keit an einem vor­bei und sorgt so für will­kom­me­ne Abwechslung.

Irgend­wann hat man dann doch Puch­berg erreicht. Ein äußerst wert­vol­ler Rat ist, nicht links den Sie­bertweg ent­lang zu lau­fen, auch wenn der Bahn­hof bereits zu sehen ist, son­dern sich beim Bahn­über­gang rechts zu hal­ten und die Schnee­berg­stra­ße und dann links die Bahn­stra­ße zu neh­men. Andern­falls muss man näm­lich den Bahn­hof ein­mal kom­plett umrun­den, es gibt kei­ne Mög­lich­keit, die Glei­se zu que­ren. Ein Blick zurück zum Schnee­berg­pan­ora­ma been­det die­se reiz­vol­le Wanderung.

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