Ubuntu mit Gnome Shell

Von in linux

Im Herbst letz­ten Jah­res konn­te ich die Ver­öf­fent­li­chung der neu­en Desktop-​Umgebung kaum erwar­ten. Ernüch­ternd war dann die Mel­dung über den Auf­schub um ein hal­bes Jahr. Im April wur­de Gno­me 3.0 nun end­lich ver­öf­fent­licht, doch die Linux-​Distribution Ubun­tu 11.04 ging aber­mals mit der Gnome-​Version 2 online (bzw. ersetz­te Gno­me 3 mit Unity). Erst die Ver­si­on 11.10 soll auf Gno­me 3 umstei­gen. Noch ein hal­bes Jahr zu war­ten ließ mei­ne Neu­gier­de aber beim bes­ten Wil­len nicht mehr zu. So habe ich mir, zumin­dest für eine nicht pro­duk­ti­ve Umge­bung, die neue Desktop-​Umgebung bereits zuge­legt. Weil es nicht beim ers­ten Mal klapp­te und ich mir die essen­ti­el­len Infor­ma­tio­nen erst zusam­men­krat­zen muss­te, möch­te ich hier eine Zusam­men­fas­sung für den Instal­la­ti­ons­vor­gang anbie­ten.

Ja, fol­gen­der Hin­weis muss lei­der erfol­gen: Es gibt gute Grün­de, war­um Ubun­tu Nat­ty Nar­whal den Umstieg auf Gno­me 3 noch nicht voll­zo­gen hat. Wer also den Schritt den­noch wagen möch­te muss sich immer vor Augen hal­ten, dass er sich bezüg­lich Sta­bi­li­tät des Betriebs­sy­tems auf dün­nes Eis wagt. Außer­dem habe ich kei­ne Infor­ma­ti­on dar­über gefun­den, ob oder wie ein­fach ein Down­gra­de mög­lich ist. Da Gno­me 3.0 mit Pake­ten der Ver­si­on 2 nicht kom­pa­ti­bel ist, müs­sen die­se sogar deinstal­liert wer­den, um nicht mit den neu­en zu kon­kur­rie­ren. Und noch etwas: Ich beschrei­be hier von mir durch­ge­führ­te Schrit­te, die in einer erfolg­rei­chen Instal­la­ti­on resul­tier­ten. Ob es das Risi­ko eines unbrauch­ba­ren Sys­tems wert ist, muss jeder für sich ent­schei­den. Eine Haf­tung aus der Beschrei­bung her­aus ergibt sich nicht.

Eine abso­lu­te Not­wen­dig­keit für das Gelin­gen der Instal­la­ti­on von Gno­me 3 und der Gno­me Shell ist ein aktu­el­les Sys­tem. Vie­le Berich­te im Inter­net erzäh­len von Fehl­schlä­gen, weil ein­zel­ne Soft­ware­pa­ke­te vor der Instal­la­ti­on nicht aktu­ell waren. Außer­dem müs­sen zusätz­li­che Paket­quel­len defi­niert wer­den. Und genau damit begin­nen wir unse­re Instal­la­ti­on:

sudo add-apt-repository ppa:gnome3-team/gnome3

Damit die Paket­ver­wal­tung die neue Quel­le ver­wen­det, muss Apti­tu­de aktua­li­siert wer­den:

sudo apt-get update

Dann folgt der zuvor erwähn­te wich­ti­ge Schritt der System-​Aktualisierung:

sudo apt-get upgrade
sudo apt-get dist-upgrade

Dist-​upgrade hat bereits Gno­me 3 instal­lie­ren las­sen. Was jetzt noch fehlt ist die Gno­me Shell:

sudo apt-get install gnome-shell

Auf kei­nen Fall soll­te der Rech­ner bereits jetzt neu gestar­tet wer­den. Zwar ist hier­mit Gno­me 3 instal­liert, noch kon­kur­rie­ren jedoch die zwei Ver­sio­nen um die Dar­stel­lung. Dar­um müs­sen die The­men der einen deinstal­liert und die der ande­ren instal­liert wer­den:

sudo apt-get remove gnome-accessibility-themes
sudo apt-get remove gnome-themes
sudo apt-get install gnome-themes-standard

Nach die­sen Schrit­ten funk­tio­nier­te die Instal­la­ti­on für mich ein­wand­frei. Wäh­rend der Recher­che für die­sen Arti­kel sind mir noch Infor­ma­tio­nen über fol­gen­de angeb­lich erfor­der­li­chen Pake­te unter­ge­kom­men. Ich möch­te sie hier auch noch anfüh­ren. Ich habe sie sel­ber nach­träg­lich instal­liert, jedoch kei­ne Ver­än­de­rung fest­stel­len kön­nen:

sudo apt-get install gnome-icon-theme
sudo apt-get install gnome-icon-theme-symbolic

Für noto­ri­sche Twea­ker sei noch das Konfigurations-​Werkzeug emp­foh­len, mit dem sich Ände­run­gen in der Dar­stel­lung durch­füh­ren las­sen (vor allem, wenn man z.B. die Ubuntu-​Schrift zurück­ha­ben möch­te):

sudo apt-get install gnome-tweak-tool

In der Gno­me Shell fin­det sich das Tool dann als “erwei­ter­te Ein­stel­lun­gen”.

Sehr wich­tig für den Neu­start, bzw. even­tu­ell noch davor, ist die Umstel­lung auf Gno­me 3. Die Instal­la­ti­on von Ubun­tu 11.04 fährt bekannt­lich mit “Unity” hoch. Wer dann das gewohn­te Gno­me zurück haben möch­te, muss beim Log­in die Sit­zung auf “Ubun­tu clas­sic” umstel­len, oder unter Sys­tem -> Anmel­de­schirm die Ein­stel­lung auf Dau­er täti­gen. Das gilt auch für die Gno­me 3 Instal­la­ti­on, aller­dings ist das essen­ti­ell, denn das erfolg­rei­che Hoch­fah­ren von Gno­me 2 haben wir durch das Deinstal­lie­ren der The­men gera­de vor weni­gen Minu­ten unmög­lich gemacht. Auf wel­chen Ein­trag man die Stan­dard­sit­zung jedoch ein­stel­len muss, ist nur schwer zu sagen, weil sich im Inter­net unter­schied­li­che Anga­ben dies­be­züg­lich fin­den. Bei mir zum Bei­spiel wäre die rich­ti­ge Ein­stel­lung “Gno­me”, denn ein wie ander­orts beschrie­be­nes “Gno­me Shell” fin­det sich bei mir nicht. Lei­der ent­fernt die Instal­la­ti­on von Gno­me 3 die alte Ver­si­on näm­lich nicht aus den Ein­trä­gen und “Gno­me” allei­ne ist nicht gera­de aus­sa­ge­kräf­tig. Ich habe Gno­me 3 mitt­ler­wei­le ohne Pro­ble­me auf einem wei­te­ren Rech­ner instal­liert. Auch dort fand sich nach der Instal­la­ti­on nur der nichts­sa­gen­de Ein­trag “Gno­me”.

Nun denn, wer jetzt einen Neu­start wagt, soll­te sich über das neue Gno­me 3 und die intui­ti­ve Gno­me Shell freu­en dür­fen. Hier noch ein paar Tipps und Hin­wei­se für die ers­ten Minu­ten in der neu­en Umge­bung:

Der ers­te Neu­start kann etwas dau­ern, also nicht die Geduld ver­lie­ren! Beim ers­ten Hoch­fah­ren stellt das Sys­tem offen­bar immer auf Eng­lisch um. Als ich das ers­te Mal die Kon­so­le öff­ne­te, war ich nicht in der Lage, Son­der­zei­chen ein­zu­ge­ben (Umlau­te gin­gen auch nicht). In der Zei­chen­ko­die­rung fand ich einen Ein­trag, den ich so noch nicht kann­te (lei­der lässt er sich jetzt nicht mehr auf­ru­fen, dar­um kann ich kei­ne nähe­ren Anga­ben machen). Das Pro­blem lässt sich lösen, wenn man in den Set­tings die Sprach­ein­stel­lun­gen ändert. Danach ist ein Neu­start erfor­der­lich (ein Abmel­den allei­ne genüg­te bei mir nicht). Danach soll­ten alle Pro­gram­me auch die Son­der­zei­chen rich­tig dar­stel­len.

Hier noch ein paar erwäh­nens­wer­te Short­cuts:
Die Windows-​Taste öff­net die Shell (wie sub­til). Dabei erhält das Such­feld rechts oben sofort den Fokus und man kann ohne wei­te­ren Klick oder Tas­ten­druck nach Pro­gram­men suchen. Wer aus Anti­pa­thie die Windows-​Taste aus dem Key­board gebro­chen hat, kann die Shell auch mit der Kom­bi­na­ti­on Alt-​F1 öff­nen und auch gleich wie­der schlie­ßen. Alt-​F2 öff­net nach wie vor einen Schnell­star­ter, dem auch Kon­so­len­be­feh­le über­ge­ben wer­den kön­nen. Die Desk­tops sind jetzt unter­ein­an­der ange­ord­net und kön­nen mit den Tas­ten Strg-​Alt-​Pfeil-​hinunter und Pfeil-​hinauf gewech­selt wer­den. Die Anzahl der Desk­tops ist nicht mehr fest­ge­legt son­dern ändert sich dyna­misch nach den in den Desk­tops geöff­ne­ten Fens­tern. Noch etwas, das in den ers­ten Minu­ten sicher auf­fal­len wird, ist das Feh­len von Fenster-​Minimier-​Schaltern in den rech­ten (oder lin­ken) obe­ren Fens­ter­ecken sowie einer Leis­te geöff­ne­ter Fens­ter bzw. Pro­gram­men. Das hat mit der Ein­füh­rung und Hand­ha­bung der Gno­me Shell und den dyna­mi­schen Desk­tops zu tun. Hier wird wohl ein wenig Tole­ranz und Ein­ge­wöh­nung vom Benut­zer gefragt sein.

Und viel­leicht noch zwei wich­ti­ge Hin­wei­se: Wer ver­zwei­felt nach der Mög­lich­keit des Her­un­ter­fah­rens sucht, soll­te die Alt-​Taste gedrückt hal­ten. Ansons­ten funk­tio­niert natür­lich immer noch das gute alte ‘sudo shut­down -P now’. Und, im Datei­ma­na­ger kann man Datei­en nur noch mit der Kom­bi­na­ti­on Strg-​Entf löschen, also nicht mehr mit Entf allei­ne.

Mich hat noch die Leis­te der favo­ri­sier­ten bzw. gera­de geöff­ne­ten Pro­gram­me am lin­ken Rand der geöff­ne­ten Shell etwas über­rascht. Die Par­al­le­le zu “Unity” (bzw. umge­kehrt) ist natür­lich nicht zu über­se­hen. Wer also mit Unity nicht gleich zurecht gekom­men ist und des­we­gen auf Gno­me 2 umge­stellt hat, wird mit Gno­me 3 anfangs viel­leicht kei­ne Freu­de haben. Man hört jedoch durch­wegs sehr gute Mei­nun­gen über die neue Desktop-​Umgebung und mit etwas Auf­ge­schlos­sen­heit soll­te der Umstieg kein Pro­blem dar­stel­len.

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