VOR - Anomalien

Von in verkehr

Kürz­lich woll­te ich mit mei­nem sechs­jäh­ri­gen Sohn einen Aus­flug in die Hin­ter­brüh­ler See­grot­te unter­neh­men. Unser Ziel woll­ten wir mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln errei­chen; ein kon­flikt­schwan­ge­res Unter­fan­gen, wie sich noch her­aus­stel­len soll­te. Lesen Sie hier, war­um man im VOR nur als Exper­te güns­tig fährt und bes­ser die Fin­ger von den Auto­ma­ten lässt.

Die Grafik zeigt einen Ausschnitt des VOR-Netzplanes im Bereich Hinterbrühl Zone 260

Hin­ter­brühl Zone 260

Man könn­te mei­nen, mei­ne Art mich auf Aus­flü­ge und Rei­sen vor­zu­be­rei­ten wäre neu­ro­tisch. Nun, ja. Mich inter­es­siert nun ein­mal nicht nur das Ziel. So bestie­gen wir den Zug in Wien selbst­ver­ständ­lich mit einem selbst ange­fer­tig­ten Aus­druck frag­li­cher Fahr­plä­ne der min­des­tens nächs­ten drei Stun­den und einem genau­en Plan der Rou­te. Schließ­lich woll­te ich mei­nem Sohn und mir unnö­ti­ges Her­um­ir­ren und War­ten auf die nächs­te Ver­bin­dung ersparen. 

Trotz des Zusam­men­sto­ßes zwei­er Züge am Vor­tag auf der Süd­bahn und den dadurch ver­ur­sach­ten Schä­den auf der Stre­cke fuhr unser Zug (mehr oder weni­ger) pünkt­lich ein, was ein Errei­chen des Bus­ses der Linie 364 in Möd­ling sicher­stell­te. Die Fahr­kar­ten für den Bus woll­te ich vor Ort kaufen.

Die Abbildung zeigt einen VOR-Fahrschein für eine Hinfahrt mit dem Preis von € 3,60.

Hin­fahrt: € 3,60.

Glück­lich, den Bus in Möd­ling recht­zei­tig erreicht zu haben, order­te ich beim Fah­rer “2 Fahr­schei­ne”. Bei mei­ner Rei­se­vor­be­rei­tung hat­te ich lei­der kei­ne Infor­ma­tio­nen über die Anzahl der zu durch­fah­ren­den Zonen ein­ge­holt, wes­we­gen ich den gefor­der­ten Fahr­preis von € 3,60 schul­ter­zu­ckend zur Kennt­nis nahm. In mei­ner offen­sicht­lich geis­ti­gen Umnach­tung viel mir auch nicht auf, dass der Fahr­preis bei der Anwe­sen­heit eines Sechs­jäh­ri­gen nicht ein Viel­fa­ches eines Voll­preis­fahr­schei­nes betra­gen konnte.

Nun denn, wer Äpfel sät, kann nicht Bir­nen ern­ten: Der Bus­chauf­feur hat mir nur gege­ben, was ich ver­langt habe. Näm­lich zwei Fahrscheine.

Die Abbildung zeigt einen VOR-Fahrschein für eine Rückfahrt mit dem Preis von € 1,80.

Rück­fahrt: € 1,80.

Dass hier aller­dings etwas nicht ganz stim­men konn­te, viel mir erst bei der Heim­fahrt auf. Denn, ande­rer Bus, ande­rer Fah­rer, ande­re Bestel­lung (“zum Bahn­hof bit­te”): Sie kos­te­te nur € 1,80. Den Rest der Rei­se grü­bel­te ich ange­strengt über die­se Ano­ma­lie nach, kam jedoch zu kei­nem brauch­ba­ren Ergeb­nis. Wur­de beim zwei­ten Fahr­schein mei­ne Beglei­tung über­se­hen? Ist gar “zum Bahn­hof bit­te” gleich­be­deu­tend mit “(nur) einen Fahr­schein bit­te”? Habe ich gar den VOR betro­gen und bin schwarz gefahren?

Die Fotografie zeigt einen Fahrscheinautomaten der ÖBB und belegt, dass die im Artikel beschriebene Fahrt € 11,90 kostet.

Fahr­schein­au­to­mat der ÖBB

In Wien ange­kom­men führ­te mein ers­ter Weg sofort zu einem Fahr­schein­au­to­ma­ten der ÖBB, in den ich die Daten “Wien Meid­ling” und “Hin­ter­brühl” ein­tipp­te (die Hal­te­stel­le “Hin­ter­brühl See­grot­te” wird nicht geführt). Das Ergeb­nis stürz­te mich nun end­gül­tig in eine tie­fe Kri­se: € 11,90.

Als mein letz­ter Aus­weg erschien mir schließ­lich das all­wis­sen­de Inter­net. Gibt es gar meh­re­re Hin­ter­brühl in Öster­reich, die man mit € 11,90 errei­chen könn­te? Vor.at lie­fert als Anfra­ge auf Hin­ter­brühl drei Ergeb­nis­se. Das eigent­li­che und gesuch­te Hin­ter­brühl bei Möd­ling, eine mys­te­riö­se Adres­se, Spar­bach Nr. 8, noch etwas west­li­cher davon (übri­gens ein Such­ergeb­nis, das ich nur ein ein­zi­ges Mal erhielt und nicht mehr rekon­stru­ie­ren kann), und ein ver­ges­se­nes Gast­haus nörd­lich von Ter­nitz im idyl­li­schen Ort Sti­xen­stein, das auch den Namen Hin­ter­brühl trägt (ob der Ort oder das Gast­haus konn­te ich lei­der nicht Erfah­rung brin­gen). Meint die ÖBB mit ihren € 11,90 gar die­ses gott­ver­las­se­ne Kaff?

Schwer zu glau­ben, hält man sich vor Augen, dass Hin­ter­brühl die euro­pa­weit größ­te See­grot­te besitzt. War­um wird sie aber im Fahr­plan der ÖBB nicht berück­sich­tigt? Schließ­lich wird zumin­dest der Ort im gra­fi­schen Plan des VOR ange­zeigt (die­ses lus­ti­ge Tor­ten­dia­gramm, bei dem sich kei­ne Sau aus­kennt), auch wenn er in der Zonen-​Liste nicht vor­kommt. Sehr stolz scheint man auf die See­grot­te nicht zu sein.
Bleibt noch die Fahr­plan­aus­kunft der ÖBB, die als Ein­zi­ge die Stre­cke inklu­si­ve dem Fahr­preis kor­rekt anzeigt. War­um nur schafft das der Fahr­schein­au­to­mat des glei­chen Unter­neh­mens nicht?

Zuletzt ein Kom­men­tar zum Durch­ein­an­der der Fahr­prei­se im Bus: Soll­te ich wie­der ein­mal die­se Gegend berei­sen, wer­de ich mich deut­li­cher aus­drü­cken, ver­spro­chen. Und noch bes­ser vor­be­rei­ten. Es kann ja nicht sein, dass der Fahr­gast über die Fahr­prei­se nicht Bescheid weiß. Ich könn­te aber auch ver­ste­hen, infor­mier­te sich so man­cher lie­ber über die Sprit­prei­se. Die sol­len selbst im schlimms­ten Fall nicht um € 10 differieren.

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