Erste Hilfe über das Handy

Von in gesundheit

Heu­te hat eine Nach­richt im Kurier etwas bewirkt, was ein Film im Fern­se­hen bei mir zunächst nicht schaff­te. Ein Arti­kel mit der Über­schrift “Ers­te Hil­fe: Han­dy gibt im Not­fall Anlei­tung” hat mich neu­gie­rig gemacht und mich zu einem Test inspi­riert. Lesen Sie hier, was von der Idee zu hal­ten ist und wie sie umge­setzt wurde.

Der Gedan­ke ist nicht neu. Schon vor eini­ger Zeit mach­te der Sama­ri­ter­bund mit einer Anlei­tung zur Ers­ten Hil­fe auf sich auf­merk­sam. Dabei soll ein Pro­gramm, das man am Han­dy instal­liert, situa­ti­ons­ge­recht Infor­ma­tio­nen lie­fern. Ein Wer­be­film pries die Idee pro­fes­sio­nell an.

Auf den Zug mit auf­ge­sprun­gen dürf­te nun, mit etwas Ver­zö­ge­rung, das Öster­rei­chi­sche Rote Kreuz, bzw. das Jugend­rot­kreuz sein, denn auch hier wird ein selbst­ge­strick­tes Pro­gramm zum Down­load angeboten.

Mein ers­ter Ver­such, an das Pro­gramm des Roten Kreu­zes zu kom­men, schei­ter­te. Dar­an war aber der Kurier schuld. Die Tele­fon­num­mer, an die eine SMS zu sen­den ist, stimm­te zwar, lei­der wur­de aber das Kenn­wort “JRK” ver­schwie­gen. Das Inter­net hat schließ­lich wei­ter­ge­hol­fen und so wur­de ich hier fün­dig. Nach dem Ver­sen­den der besag­ten SMS erhält man einen Link, der ange­klickt eine Inter­net­ver­bin­dung her­stellt (so denn das Han­dy rich­tig kon­fi­gu­riert ist) und sich mit einem Volu­men von 120kb das Pro­gramm her­un­ter­lädt. Die Instal­la­ti­on ist denk­bar ein­fach und nach nicht ein­mal einer Minu­te war das Pro­gramm vom Roten Kreuz auf mei­nem Han­dy installiert.

Der Sama­ri­ter­bund bie­tet für sein Pro­gramm einen etwas schi­cke­ren Inter­net­auf­tritt an, der Effekt ist aber der Glei­che. Hier stol­pert man aber über eine doch sehr umfang­rei­che Anmel­dung, die sich als “Pro­fil” tarnt. Weil mir sol­che Anmel­dun­gen aber zuwi­der sind, freue ich mich über eine “2. Vari­an­te”, die gleich von der bereits bekann­ten SMS spricht. Auch hier gilt es, ein Kenn­wort zu über­mit­teln, die Instal­la­ti­on gestal­tet sich gleich der beim Roten Kreuz. Der Down­load schlägt sich mit 180kb zu Buche (was erstaun­lich ist, weil im Gegen­satz zum Pro­gramm vom Roten Kreuz kei­ne Bil­der über­tra­gen werden).

Auf mei­nem Nokia 6630 funk­tio­niert bei bei­den Pro­gram­men die Instal­la­ti­on völ­lig pro­blem­los. Bei­de Pro­gram­me legen brav ein Icon im Menü ab. Auf­fäl­lig ist, dass sich jenes vom Roten Kreuz als Erste-​Hilfe-​Coach brüs­tet, aller­dings kommt die­se Bezeich­nung auch beim Sama­ri­ter­bund vor. Mit “Coach” hat man wohl etwas über das Ziel geschossen.

Fährt man das Pro­gramm hoch, darf man sich erst ein­mal Wer­bung anse­hen. Bei bei­den Pro­gram­men. Hier wur­de also kräf­tig gespon­sert. Beim Roten Kreuz kann man dann aber gleich los­le­gen. Net­te klei­ne Sym­bo­le erleich­tern schnell die Ori­en­tie­rung und es ist auf den ers­ten Blick klar, was man wo fin­det. Auch wenn die gra­fi­sche Auf­be­rei­tung etwas pixe­lig ist, stimmt das Cor­po­ra­te Design: Wer im Roten Kreuz schon ein­mal einen Erste-​Hilfe-​Kurs besucht hat, wird sich hier zu Hau­se füh­len. Vor allem dass die beschrie­be­nen Hand­grif­fe bild­lich unter­legt sind, ist hier als sehr gro­ßer Plus­punkt zu wer­ten. Man hat den Sinn der Idee ver­stan­den und gut umge­setzt. Man­che For­mu­lie­run­gen sind etwas höl­zern, was aber ob der beschränk­ten gra­fi­schen Ober­flä­che eines Han­dys und der schlech­ten Les­bar­keit lan­ger Sät­ze durch­aus ent­schuld­bar ist. Der Inhalt ent­spricht der aktu­el­len Lehrmeinung.

Beim Pro­gramm des Sama­ri­ter­bun­des wird man erst ein­mal von einer auf­wän­di­gen Regis­trie­rung auf­ge­hal­ten. Die Hoff­nung, dem For­mu­lar auf der Web­sei­te ent­wischt zu sein, war also ver­ge­bens. Ein­mal abge­se­hen von der Fra­ge, ob man Kun­de der Wie­ner Städ­ti­schen ist, liest sich der nicht gera­de kurz gera­te­ne Haf­tungs­aus­schluss und die Daten­schutz­er­klä­rung wie eine frei­wil­li­ge Ein­wil­li­gung zum unein­ge­schränk­ten Stal­king. Ver­är­gert tip­pe ich Non­sens in die Fel­der. Eine Kon­trol­le der Daten­über­tra­gung bestä­tigt mei­nen Ver­dacht: Die Daten wur­den mit 30kb brav versendet.

Der Sama­ri­ter­bund setzt dar­auf, dass der Öster­rei­cher dem Ver­ste­hen von Gele­se­nem mäch­tig ist. Bil­der fin­den sich in dem Pro­gramm kei­ne. Text­zei­le folgt auf Text­zei­le, hie und da fin­den sich dazwi­schen auch lee­re Zei­len mit­ten zwi­schen Wör­tern eines Sat­zes. Die Tat­sa­che, dass beim Scrol­len am Ende eines Arti­kels kom­men­tar­los an den Anfang des­sel­ben gesprun­gen wird, macht die Ori­en­tie­rung fast unmöglich.
Die Wort­wahl ist zwar von höhe­rer Qua­li­tät als beim Roten Kreuz, dafür feh­len gra­fi­sche Dar­stel­lun­gen völ­lig. Außer­dem ist der Text in vie­le Kate­go­ri­en und Unter­ka­te­go­ri­en unter­teilt, was aber wenig hilf­reich ist, weil man wegen weni­ger Sät­ze stän­dig im Menü her­umkli­cken muss.
Auch das Pro­gramm des Arbei­ter­sa­ma­ri­ter­bun­des bie­tet einen Inhalt nach der aktu­ell gül­ti­gen Lehrmeinung.

Prin­zi­pi­ell ist von der Idee viel zu hal­ten. Auch wenn man nur spaß­hal­ber das Pro­gramm down­loa­ded, instal­liert und dar­in her­um­blät­tert, wird doch end­lich wie­der öffent­lich auf die The­ma­tik Ers­te Hil­fe auf­merk­sam gemacht. Ein gro­ßes Lob für die­se Idee, es ist ganz bestimmt mehr als nur ein Trop­fen auf den hei­ßen Stein.
Frag­lich ist der tie­fe­re Sinn, vor allem, wenn man von einer “Anlei­tung für den Not­fall” spricht, was weder das Pro­gramm vom Roten Kreuz, noch jenes vom Arbei­ter­sa­ma­ri­ter­bund errei­chen kann. Vie­le Men­schen sind wäh­rend einer Ers­ten Hil­fe Leis­tung schon mit dem Wäh­len einer Not­ruf­num­mer über­for­dert, wie soll da ein Pro­gramm hoch­ge­fah­ren und ziel­si­cher ein Ein­trag gefun­den werden?
Einen nega­ti­ven Effekt erreicht wer glaubt, mit die­sen Pro­gram­men bei der Ers­ten Hil­fe den ulti­ma­ti­ven Rat­ge­ber in der Tasche zu haben. Wie auch von bei­den Ver­ei­nen aus­drück­lich betont wird, ist der Besuch eines Erste-​Hilfe-​Kurses unbe­dingt erfor­der­lich, mög­lichst mit regel­mä­ßi­ger Auf­fri­schung. Wer sich die­ser Pflicht dem Nächs­ten gegen­über nicht ent­zieht, wird aber kaum die Pro­gram­me als Anlei­tung für den Not­fall benötigen.

Und, wie sieht es mit Ihrem Wis­sen über die Ers­te Hil­fe aus? Über­prü­fen Sie es, mit dem Erste-​Hilfe-​Test auf erstehilfe.ikarius.net!

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