Die dritte Dimension

Von in netzthetik

Durch Zufall bin ich auf ein inter­es­san­tes The­ma gesto­ßen (Wis­sen belas­tet, und cur­sive­buil­dings). Dabei geht es um die Illu­si­on der drit­ten Dimen­si­on in zwei­di­men­sio­na­len Bil­dern. Jetzt sagen Sie, das ist ein alter Hut. Ist es auch. Trotz­dem ist mir die Tech­nik, die dabei ver­wen­det wird, ein Expe­ri­ment und natür­lich auch einen Blog­ein­trag wert.

Bei der gra­fi­schen Dar­stel­lung der drit­ten Dimen­si­on, näm­lich der Tie­fe, stößt man bekannt­lich schnell an Gren­zen. Es gibt unzäh­li­ge Tech­ni­ken, in zwei­di­men­sio­na­len Bil­dern die Illu­si­on einer drit­ten Dimen­si­on zu schaf­fen: Schon seit jeher hat die Ste­reo­sko­pie die Mensch­heit fas­zi­niert. Meist bedarf es bei der Betrach­tung jedoch tech­ni­scher Hilfs­mit­tel, bzw. beson­de­rer Betrach­tungs­tech­ni­ken, wie zum Bei­spiel dem “Hin­durch­se­hen” oder der “Crossed-​Eye-​Methode”. Es geht aber auch ganz ohne die­se Behel­fe. Näm­lich wenn man für die drit­te Dimen­si­on die Tie­fe durch die Zeit ersetzt.

Dass das rech­te Auge ein ande­res Bild als das lin­ke an das Hirn wei­ter­lei­tet, ist wohl all­seits bekannt. In der Ste­reo­sko­pie ver­folgt man die­sen Umstand und fer­tigt zwei Bil­der mit unter­schied­li­chen Brenn­punk­ten an, die den unter­schied­li­chen Orten der bei­den Augen ent­spre­chen. Prä­sen­tiert man nun dem mensch­li­chen Auge (und ich ver­wen­de hier bewusst die Ein­zahl, sie­he spä­ter) die­se bei­den unter­schied­li­chen Bil­der rasch hin­ter­ein­an­der, ist das mensch­li­che Hirn tat­säch­lich in der Lage, die Illu­si­on einer drit­ten Dimen­si­on zu schaf­fen. Ich hal­te das für eine ganz außer­or­dent­li­che Leis­tung der Natur und eine Demons­tra­ti­on dafür, wie unser Hirn stän­dig bemüht ist, uns Bil­der anzu­bie­ten, die auch in schwie­rigs­ten Situa­tio­nen mög­lichst dem natür­li­chen Emp­fin­den ent­spre­chen.

Ich habe heu­te ein wenig mit die­ser Tech­nik expe­ri­men­tiert. Sehen Sie hier drei Ver­su­che.

Diese Fotomontage zeigt ein sogenanntes Wackelbild, das schnell abwechselnd ein Objekt aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln darstellt und so einen 3D-Effekt illusioniert. Die Abbildung zeigt die Theodor-Körner-Eiche in Meidling, Wien.

Die Theodor-​Körner-​Eiche in Meid­ling, Wien.

Diese Fotomontage zeigt ein sogenanntes Wackelbild, das schnell abwechselnd ein Objekt aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln darstellt und so einen 3D-Effekt illusioniert. Die Abbildung zeigt eine Orchidee. Hier ist der horizontale Abstand der zwei Bilder fast etwas zu groß, was den Effekt schwerer erkenntlich macht.

Eine Orchi­dee. Hier ist der hori­zon­ta­le Abstand der zwei Bil­der fast etwas zu groß (sie­he spä­ter).

Diese Fotomontage zeigt ein sogenanntes Wackelbild, das schnell abwechselnd ein Objekt aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln darstellt und so einen 3D-Effekt illusioniert. Die Abbildung zeigt die Westbahn in Wien, von der Philadelphia-Brücke Richtung Westen fotografiert.

Die West­bahn in Wien, von der Philadelphia-​Brücke Rich­tung Wes­ten foto­gra­fiert.

Das Beson­de­re bei die­ser Dar­stel­lung ist nun, und das ist der eigent­li­che Grund die­ses Arti­kels, dass man den Effekt auch mit nur einem Auge wahr­nimmt. Bei allen ande­ren Tech­ni­ken ist man bekannt­lich auf bei­de Augen ange­wie­sen, durch die zeit­li­che Tren­nung der Auf­nah­men könn­te es so aber auch einem ein­sei­tig blin­den Men­schen mög­lich sein, zumin­dest die Illu­si­on einer drit­ten Dimen­si­on wahr­zu­neh­men!

Wenn Sie neu­gie­rig gewor­den sind und die­se Tech­nik ein­mal sel­ber aus­pro­bie­ren möch­ten, soll­ten Sie beim Foto­gra­fie­ren sol­cher Bil­der fol­gen­de Tipps beach­ten. Prin­zi­pi­ell eig­net sich natür­lich jeder Foto­ap­pa­rat, wie­wohl es von Vor­teil ist, wenn man an der Kame­ra manu­el­le Ein­stel­lun­gen vor­neh­men kann. Fol­gen­de Auto­ma­ti­ken soll­te man deak­ti­vie­ren um sicher­zu­stel­len, dass sich bei­de Bil­der mög­lichst glei­chen: Ver­schluss­au­to­ma­tik (Blen­de und Ver­schluss­zeit), Auto­fo­cus und ISO-​Zahl. Wenn vor­han­den soll­te man sich auch um den Weiß­ab­gleich küm­mern, denn selbst teu­re­re Kame­ras pro­du­zie­ren durch sol­che Bevormundungs-​Elektronik bei ein und dem­sel­ben Motiv oft unter­schied­li­che Bil­der. Bei der Motiv­wahl eig­nen sich beson­ders frei ste­hen­de Objek­te mit einem weit ent­fern­ten Hin­ter­grund (mein obi­ges Bei­spiel mit der Theodor-​Körner-​Eiche zeigt mei­nem Emp­fin­den nach den bes­ten Effekt). Und dann heißt es nur noch Kame­ra schön gera­de hal­ten und sie beim zwei­ten Bild hori­zon­tal ver­set­zen. Und hier­für möch­te ich nun auf eine Tabel­le ver­wei­sen, die sehr hilf­reich sein kann (lei­der ist mir die Quel­le ent­fal­len, ich erwäh­ne sie aber gern, wenn sie jeman­dem bekannt ist):

Motiv­ent­fer­nung
in m
hori­zon­ta­le
Kame­ra­be­we­gung
in cm
0,1 0,5
0,3 1,0
0,5 1,5
1,0 2,5
3,0 7,5
5,0 13,0
a a/​40

Der Rest ist Übung. Pro­bie­ren Sie es ein­mal aus, Sie wer­den sehen: Im nächs­ten Urlaub schie­ßen Sie nur noch ste­reo­sko­pe Bil­der!

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