Kdolsky als Lebensretterin

Von in anomalien im gesundheitswesen, gesundheit, politik

Laut eines Arti­kels auf oe24.at soll unse­re Gesund­heits­mi­nis­te­rin Andrea Kdol­sky wäh­rend einer Zug­fahrt das Leben einer 63-​jährigen geret­tet haben. Na, Sie kön­nen sich vor­stel­len, dass mir das natür­lich einen Blog­ein­trag wert war.

Es gibt gewis­se Internet-​Seiten, die mei­de ich wie die Pest; aus inhalt­li­chen, vor allem aber aus Grün­den der Sicher­heit. Aber der Hin­weis auf die­sen Arti­kel hat mich doch so neu­gie­rig gemacht, dass ich, aus­nahms­wei­se, die Online-​Ausgabe der Möchtegern-​Tageszeitung “Öster­reich” öff­ne­te.

Dar­in war zu lesen, dass Frau Dr. (so viel Zeit muss sein) Kdol­sky einem Fahr­gast der ÖBB das Leben ret­te­te, weil sie die Pen­sio­nis­tin, die einen Kreis­lauf­kol­laps erlit­ten hat­te, fach­ge­recht “in die sta­bi­le Sei­ten­la­ge hiev­te”. Kdol­sky soll inner­halb Sekun­den bei der Bewusst­lo­sen (!) gewe­sen sein und einen Kreis­lauf­kol­laps dia­gnos­ti­ziert haben. “Kdol­sky sta­bi­li­sier­te die 63-​jährige, leg­te ihre Bei­ne hoch, gab ihr zu trin­ken, als die Frau wie­der bei Bewusst­sein war - und ret­te­te ihr so das Leben”, so “Öster­reich” auf oe24.at.

Wir soll­ten uns nicht län­ger von die­ser Per­le deut­scher Schreib­kunst auf­hal­ten las­sen, son­dern uns gleich auf die Fak­ten stür­zen. Da wäre ein­mal die Bezeich­nung “Kreis­lauf­kol­laps”. Dass die­se hier ver­wen­det wird, möch­te ich gar nicht benör­geln, wie­wohl aber dar­an erin­nern, dass ein Kreis­lauf­kol­laps im Volks­mund ver­wen­det (und mehr trau ich der “Öster­reich” nicht zu) unter­schied­li­che Bedeu­tung haben kann. So wage ich eine Span­ne von Übel­keit über Ohn­macht und Bewusst­lo­sig­keit bis hin zum Herz­still­stand zu behaup­ten. Wer eine wis­sen­schaft­li­che­re Beschrei­bung benö­tigt, schlägt in der Wiki­pe­dia nach, aller­dings möch­te ich hier fest­hal­ten, dass die zwei letz­ten Absät­ze grau­en­haft falsch sind. Aber bit­te. Wiki­pe­dia ist Wiki­pe­dia.

Wich­tig dabei ist der Unter­schied zwi­schen “Ohn­macht” und “Bewusst­lo­sig­keit”. Bei ers­te­rer besteht kei­ne Lebens­ge­fahr (!) (es sei denn der Umstand, der zur Ohn­macht führ­te, wäre sel­ber lebens­be­droh­lich). Über­lässt man einen Ohn­mäch­ti­gen sich selbst, bestehen gute Chan­cen, dass er, ohne blei­ben­de Schä­den davon­zu­tra­gen, meist rasch wie­der zu sich kommt. Bei einer Bewusst­lo­sig­keit kann (und wird) die Unter­las­sung Ers­ter Hil­fe (oder das Hoch­hal­ten der Bei­ne) mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit zum Tode füh­ren.

Einem gemei­nen Kreis­lauf­kol­laps folgt eine mehr oder weni­ger schlim­me Sauer­stoff­un­ter­ver­sor­gung des Hirns, wes­we­gen man durch­aus davon aus­ge­hen kann, dass jemand ledig­lich in Ohn­macht ver­fal­len ist. Die rich­ti­ge Erste-​Hilfe-​Maßnahme wäre das Hoch­hal­ten der Bei­ne. Dabei fließt rasch Blut von den Bei­nen Rich­tung Hirn, was die Sauer­stoff­ver­sor­gung wie­der her­stellt und den Betrof­fe­nen auf­wa­chen lässt (glei­ches geschieht übri­gens auch, wenn man den Ohn­mäch­ti­gen ein­fach am Boden lie­gen lässt). Aller­dings, und hier ist gro­ße Vor­sicht gebo­ten, muss das nicht so sein. Es könn­te sich auch um eine lebens­be­droh­li­che Bewusst­lo­sig­keit han­deln. Ein “am Boden lie­gen las­sen”, bzw. Hoch­la­gern der Bei­ne wür­de zwangs­läu­fig zum Ersti­cken füh­ren. Die Unter­schei­dung, ob ohn­mäch­tig oder bewusst­los, fällt dem Erst­hel­fer begreif­li­cher­wei­se oft schwer, wes­we­gen in der Ers­ten Hil­fe meist emp­foh­len wird, bei Zwei­fel eher die sta­bi­le Sei­ten­la­ge anzu­wen­den.

Nun, Frau Dr. (so viel Zeit muss sein). Gehen wir ein­mal davon aus, dass sich der Jour­na­list von “Öster­reich” im ers­ten Absatz nicht “ver­schrie­ben” hat und Sie die 63-​jährige tat­säch­lich in die sta­bi­le Sei­ten­la­ge “gehievt” (wem fällt nur sowas ein?) haben, dann hat die wer­te Dame jetzt einen fürch­ter­li­chen Wir­bel­säu­len­scha­den. Na, ver­su­chen sie ein­mal in der sta­bi­len Sei­ten­la­ge die Bei­ne hoch­zu­la­gern!

Zuge­ge­ben, das war wohl nicht der Fall. Dass nun das Hoch­la­gern der Bei­ne nicht zum Tod der Dame führ­te, kann nur dar­an lie­gen, dass sie nicht bewusst­los war (Schwein gehabt, Frau Anäs­the­sis­tin). Folg­lich war sie ohn­mäch­tig. Und damit nicht in Lebens­ge­fahr.

Lei­der nein, Frau Dr. (…) Kdol­sky. Wie­der nix mit dem Leben­ret­ten. Ret­ten Sie lie­ber die Haut unse­rer Ärz­te. Gerüch­ten zufol­ge sol­len die sich auch in einem schlech­ten All­ge­mein­zu­stand befin­den. Hof­fent­lich fällt Ihnen da aber mehr ein, als nur die Bei­ne hoch­zu­la­gern.

Nachtrag

Die­ser Arti­kel wur­de am 25.07.2013 in mei­nem Buch “Ano­ma­li­en im Gesund­heits­we­sen - Ange­le­gen­hei­ten aus der Ers­ten Hil­fe und Medi­zin” publi­ziert.

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