Gelbe Engel

Von in politik

Offen­bar hat noch kei­ner den Zusam­men­hang erkannt, dabei müss­ten wir nur die Augen weit genug öff­nen. Sehen Sie’s? Nicht? War­ten Sie, ich erklä­re es Ihnen. Da stürzt jemand, ver­letzt sich schwer, die Ret­tung eilt ein­her. Der Abtrans­port erweist sich als schwie­rig, Zeit ver­streicht. Die Ret­tungs­ket­te kommt ins Sto­cken, ein adäqua­tes Trans­port­mit­tel ist nicht greif­bar. Ein zufäl­lig vor­han­de­ner, aber hier­für nicht aus­ge­stat­te­ter Heli­ko­pter wird umge­baut, dann end­lich wird der Ver­wun­de­te aus­ge­flo­gen. In ein Kran­ken­haus, das mit den Ver­let­zun­gen nicht umge­hen kann. Ein wei­te­rer Flug erfolgt, in ein noch wei­ter ent­fern­tes Spi­tal. Beim Ein­tref­fen darf der Hub­schrau­ber, weil ein Pri­vat­flug­ge­rät und kein Ret­tungs­he­li­ko­pter, nicht lan­den. Wei­te­re Ver­zö­ge­run­gen. Letzt­end­lich, fünf Stun­den (fünf Stun­den!) nach dem Unfall kann end­lich mit einer pro­fes­sio­nel­len Ver­sor­gung des Ver­letz­ten begon­nen wer­den. Mit dem tra­gi­schen Out­co­me einer Amputation.

Seit 1983 unter­hält der ÖAMTC 16 Christophorus-​Stützpunkte und ver­sorgt damit Öster­reich flä­chen­de­ckend mit Ret­tungs­he­li­ko­ptern. Anfangs noch das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Inne­res und das Bun­des­heer unter­stüt­zend, über­nahm der ÖAMTC den Flug­ret­tungs­dienst 2001. Heu­te arbei­ten 51 Pilo­ten, 25 Mit­ar­bei­ter in War­tung und Tech­nik, 4 Mit­ar­bei­ter für Ground Ope­ra­ti­on und Flug­platz­be­triebs­lei­tung, 6 Mit­ar­bei­ter in der Ein­satz­ver­rech­nung, 2 Qua­li­ty Mana­ger und wei­te­re 9 Mit­ar­bei­ter in Geschäfts­lei­tung, PR und Admi­nis­tra­ti­on beim Chris­to­pho­rus Flug­ret­tungs­ver­ein; sage und schrei­be 285 Ärz­te und 250 Flug­ret­tungs­sa­ni­tä­ter bzw. Flug­ret­ter sind als freie Mit­ar­bei­ter tätig bzw. wer­den von den Lan­des­re­gie­run­gen gestellt. 2007 flog die Christophorus-​Flotte 15.111 Ein­sät­ze und stand der öster­rei­chi­schen Bevöl­ke­rung 365 Tage im Jahr zur Ver­fü­gung - mit einer maxi­ma­len Ein­treff­zeit bei einem Not­fall von nicht ein­mal 14 Minu­ten (selbst in ent­le­gens­ten Gebieten). 

Und jetzt steht alles vor dem Aus. Die Kran­ken­kas­sen wei­gern sich sogar, indi­zier­te Ein­sät­ze zu zah­len und der eigen­nüt­zi­ge Flug­ret­tungs­ver­ein bleibt auf den Kos­ten sit­zen. Kann kei­ne Eini­gung gefun­den wer­den, stellt der Ver­ein sei­ne Tätig­keit im Jahr 2010 ein (die kran­ken Kas­sen soll­ten sich gut über­le­gen, ob die­se Fak­ten wirk­lich nur als lee­re Dro­hung zu bewer­ten sind).

Der­zeit fliegt der ÖAMTC mit sei­nen gel­ben Engeln Ein­sät­ze, deren Finan­zie­rung oft von vorn­her­ein mehr als frag­lich ist. Ein beträcht­li­cher Schul­den­berg ist bereits ange­häuft. Ein Aus­weg aus die­ser Sack­gas­se lässt sich nicht ein­mal ansatz­wei­se finden.

Und dann war da noch ein Mon Che­ri, wegen dem sich jetzt Gott und die Welt fra­gen, war­um denn um Him­mels Wil­len kein Ret­tungs­hub­schrau­ber geflo­gen ist. Sie dür­fen ein­mal raten, wer am lau­tes­ten fragt. Rich­tig, jene Macht­trä­ger, die sich jetzt noch nicht einig sind, ob sie 2009 dar­über nach­den­ken sol­len, ob 2010 etwas gegen die Kran­ken­kas­sen­mi­se­re getan wer­den muss, aber froh dar­über sind, mit der Flug­ret­tung end­lich ein Pro­blem zu haben, das sich mit der Zeit ohne gro­ßes Zutun tat­säch­lich von sel­ber lösen wird. 

Was übrig bleibt, ist ein gebro­che­ner Hax’n, der es sich ab 2010 über­le­gen wird, ob er wie­der zusam­men wach­sen, oder sich schwe­ren Her­zens vom Besit­zer tren­nen soll­te. Kvit­fjell hat uns ein­drucks­voll gezeigt, wie eine Pati­en­ten­ver­sor­gung ohne funk­tio­nie­ren­de Flug­ret­tung aussieht.

In die­sem Sin­ne, also, falls Sie es sich als guten Vor­satz über­legt haben…, sich das Bein zu bre­chen, dann… Schie­ben Sie es nicht auf. Bis 2010 haben Kno­chen­brü­che noch die Ten­denz abzuheilen.

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