Bcc

Von in netzthetik

Waren Sie auch schon ein­mal glück­li­cher Emp­fän­ger einer E-​Mail, deren Kopf­be­reich mehr Mail­adres­sen beinhal­te­te, als die eigent­li­che Nach­richt Buch­sta­ben zähl­te? Mein per­sön­li­cher Rekord liegt bei (aus­ge­druck­ten) 7 A4-​Seiten Mail­adres­sen bei 4 Zei­len Mail­nach­richt. Wenn Sie jetzt auch noch glaub­ten, dass der Inhalt der Nach­richt selbst für den elek­tro­ni­schen Papier­korb zu unwich­tig gewe­sen wäre, lägen Sie nicht ganz weit dane­ben. In die­sem Arti­kel möch­te ich die Bedeu­tung einer Blind­ko­pie erläu­tern, war­um sie kaum jemand ver­wen­det und wel­che Kon­se­quen­zen sich dar­aus erge­ben könnten.

Als ganz beson­ders amü­sant emp­fin­de ich beschrie­be­ne Mails, die von Ange­stell­tIn­nen ver­sen­det wer­den, deren Pos­ten mit “beson­de­ren EDV-​Kenntnissen” beschrie­ben wird. Heut­zu­ta­ge wird ein Microsoft-​Office-​Anwender bereits als Pro­fi gehan­delt, wenn er mit der Maus bei Out­look den Sen­de­knopf trifft. Irgend­ei­ne Office-​Version, ob legal erwor­ben, oder auch nicht, besitzt heu­te fast jeder, also muss sich der Anwen­der auch gezwun­gen damit aus­ken­nen. Oder auch nicht. Unglück­li­cher­wei­se las­sen sich vie­le Pro­gram­me auch ohne vor­he­ri­gem Stu­di­um der Bedie­nungs­an­lei­tung benut­zen und so wird man schnell zum selbst­er­nann­ten EDV-​Profi. Funk­tio­nen, die man nicht ver­steht, ver­wen­det man ein­fach nicht und wiegt sich dabei in fal­scher Sicher­heit. Das Dra­ma beginnt dabei am Anfang, näm­lich der Ent­schei­dung, an wen ich die Nach­richt adres­sie­re. Und wie ich sie adressiere.

Darf ich vor­stel­len: Das “An:”-Feld. Allen wohl bekannt, viel­fach ver­wen­det und hoch­sym­pa­tisch, weil “an” ist “an”. Kei­ne Abkür­zung, kein Fremd­wort. Ein­fach nur “an”. Ver­gisst man es, mel­det sich das Pro­gramm so oder so. Wenn man Pech hat geschieht dies mit einer Laut­stär­ke, dass es der Chef drei Türen wei­ter auch noch mit­be­kommt. Vor allem bei jenen EDV-​Spezialisten “mit beson­de­ren EDV-​Kenntnissen”, die wis­sen, wie man Win­dows’ Sys­tem­klän­ge mit sinn­vol­le­ren Files tauscht. Dann klin­gelt es nicht über den Gang, es rülpst.

Lei­der hat das “An:”-Feld die Potenz, meh­re­re Adres­sen auf­neh­men zu kön­nen. Beson­ders ein­fach gestrick­te Anwen­der nut­zen die­se Gele­gen­heit exzes­siv. Wobei es eigent­lich gar nicht so schwie­rig wäre: Ver­glei­chen Sie es doch ein­fach mit dem rea­len Leben! Schrei­ben Sie 3 Emp­fän­ger auf einen Brief­um­schlag. Der Brief­trä­ger möch­te auch etwas zum Lachen haben. 

Es muss hier aber auch erwähnt wer­den, dass es nicht immer falsch ist, meh­re­re Emp­fän­ger in das “An:”-Feld zu schrei­ben. Aller­dings soll­te dann tun­lichst die Anre­de in der Mehr­zahl erfol­gen, sonst ist die tol­le Idee die­ser neu­en Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on schnell wie­der vergeudet.

Wei­ters möch­te ich für sein Erschei­nen dem “Cc:”-Feld dan­ken, wie­wohl es etwas unter sei­ner eigent­li­chen Ver­wen­dung lei­det. Denn benützt wird es meist nur dann, wenn sich das “An:”-Feld ob der voll­ge­stopf­ten Zei­le über­gibt. Was über bleibt, wird acht­los in das “Cc:”-Feld geleert, nach dem Mot­to “weil wo anders kein Platz mehr dafür ist”. Dabei hat das “Cc:”-Feld ein solch ungus­tiö­ses Dasein gar nicht verdient.

Mög­lich, dass hier die jun­ge “Internet-​Generation” dafür ver­ant­wort­lich zu machen wäre, da sie nicht mehr, wie man es aber sehr wohl noch von den bereits genann­ten “EDV-​Spezialisten” anneh­men könn­te, um der alt­her­ge­brach­ten Ver­wen­dung des “Durch­schlag­pa­pie­res” wis­sen. Das Paus-, Blau- oder Koh­le­pa­pier (gleich 4 Bezeich­nun­gen, aber kei­ner küm­mert sich um das “Cc:”-Feld) mach­te der Sekre­tä­rin die Arbeit leicht. Heu­te rei­chen ein kur­zer Hirn­sturm und ein Klick mit der Maus und schon hat man belie­big vie­le Paus­bö­gen in die elek­tro­ni­sche Schreib­ma­schi­ne gespannt. Nun wis­sen wir auch, was es mit der Abkür­zung “Cc” auf sich hat: “Cc” steht näm­lich für “Car­bon copy”.

Schreibt man also einen Brief an eine bestimm­te Per­son und möch­te, dass wei­te­re Per­so­nen von die­ser Kor­re­spon­denz, inklu­si­ve dem Inhalt der­sel­ben, unter­rich­tet wer­den, schreibt man den ers­ten Kon­takt (an den der Brief per­sön­lich gerich­tet ist) in das “An:”-Feld und fügt die Adres­sen der wei­te­ren Per­so­nen, die nun einen elek­tro­ni­schen Durch­schlag der Nach­richt erhal­ten sol­len, in das “Cc:”-Feld. Selbst­er­klä­rend erhält dann zum Bei­spiel ein Herr Mai­er als Durch­schlag eine Nach­richt, die mit “Lie­ber Herr Mül­ler” beginnt, was aber kei­ne Belei­di­gung für ihn dar­stellt, denn Herr Mai­er ist ein wah­rer “EDV-​Spezialist”.

Heu­te lei­der nicht erschie­nen ist das “Bcc:”-Feld. Wegen sei­ner stän­di­gen Nicht­be­ach­tung liegt es krän­kelnd im Bett, lässt aber aus­rich­ten, dass es trotz Kran­ken­stand ger­ne bereit ist, im Not­fall für das “Cc:”-Feld einzuspringen.

Was hat es nun mit die­sem mys­te­riö­sen “Bcc:”-Feld auf sich? Eine Ursa­che, war­um das “Blind-​Kopie-​Feld” gar so sel­ten ver­wen­det wird, liegt mit Sicher­heit dar­in, dass vie­le Mail­pro­gram­me eben­so wie Web­mai­ler die­ses Feld in der Stan­dard­mas­ke, also beim Öff­nen eines Fens­ters für eine neue E-​Mail, gar nicht anzei­gen und die Ver­wen­dung des “Bcc:”-Feldes vie­le umständ­li­che Klicks erfor­dert. Dabei wäre sein Ein­satz in man­chen Fäl­len sogar wich­ti­ger, als das “Cc:”-Feld, zumin­dest immer dann, wenn letz­te­res nicht kor­rekt ange­wen­det wird.

Das “Bcc:”-Feld ver­wen­det man immer dann, wenn man eine Nach­richt an meh­re­re Per­so­nen ver­sen­den möch­te, dabei aber kei­ne der ange­schrie­be­nen Per­so­nen über den Ver­tei­ler Bescheid wis­sen dür­fen. Tat­säch­lich fin­den sich in einer sol­chen Mail nur jene Adres­sen des “An:”- und “Cc:”-Feldes, so dort wel­che ein­ge­tra­gen wur­den (nicht alle Mail­pro­gram­me las­sen lee­re “An:”-Felder zu) und nur die eige­ne Adres­se, wenn sie im “Bcc:”-Feld steht. Oder in ande­ren Wor­ten: Eine Adres­se im “Bcc:”-Feld wird nur ange­zeigt, wenn es die eige­ne Empfänger-​Mailadresse ist.

Wozu die­ser Auf­wand? Vie­le Men­schen sehen das Inter­net, und dazu gehört selbst­ver­ständ­lich auch der Mail­ver­kehr, als eine gesetz­freie Zone an. Das geschieht nach dem Mot­to “We do what we must becau­se we can”. Wür­den wir dies als Ana­lo­gie auf den Stra­ßen­ver­kehr umle­gen, wür­de uns das zwei­fels­frei vom Hocker hau­en. Ver­ant­wort­lich für die­sen Zustand ist mei­ner Mei­nung nach das lan­ge Jah­re “Nach­hin­ken” der Gesetz­ge­bung. Es dau­er­te Jahr­zehn­te, bis über­haupt jemand auf die Idee gekom­men ist, dass auch das Inter­net sehr wohl einer Rege­lung bedarf und glück­li­cher­wei­se ist gera­de in den letz­ten Jah­ren hier sehr viel gesche­hen. Hier hat das Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz auf die­sem Gebiet vie­le wich­ti­ge Zusät­ze erfah­ren, wie sich auch die Daten­schüt­zer ver­mehrt dem Pro­blem Inter­net wid­men. Nicht zu Unrecht, denn wenn jemand von der Post einen auf­ge­ris­se­nen Brief zuge­stellt bekommt, ist sein Recht auf Post­ge­heim­nis ver­letzt. War­um wir bei dem elek­tro­ni­schen Brief­ver­kehr mit dem Post­ge­heim­nis so desas­trös umge­hen, ist nicht einsichtig.

War­um soll­te nun die Ver­wen­dung des “Cc:”-Feldes eine Daten­schutz­ver­let­zung dar­stel­len? Neh­men wir das ger­ne ver­wen­de­te Bei­spiel eines Ket­ten­brie­fes. Vor nicht all­zu lan­ger Zeit wur­de ich sel­ber mit der Nach­richt kon­fron­tiert, es wären wie­der die mit HIV infi­zier­ten Sprit­zen, ver­steckt in Kino­ses­seln, “unter­wegs” (die­se Nach­richt fin­det sich im Inter­net als beschrie­be­ner “Hoax”). Natür­lich, das haben Ket­ten­brie­fe so an sich, soll man die­se Nach­richt an mög­lichst vie­le Kon­tak­te wei­ter­lei­ten. Weil der Erfin­der eines sol­chen Ket­ten­brie­fes neben der Leicht­gläu­big­keit um die Unwis­sen­heit der Anwen­der Bescheid weiß, löst er damit eine Lawi­ne an voll­ge­füll­ten “An:”- und “Cc:”-Feldern aus, denn eine sol­che Nach­richt muss natür­lich die gan­ze Welt erfah­ren, also auf das Mail-​Adressbuch und rein mit allen Adres­sen, auch gleich die von Freun­den und wenn’s denn sein muss auch die vom Chef. Das hat nun meh­re­re Ereig­nis­se zur Fol­ge: Irgend­ein fin­di­ger Adres­sat die­ser Mail, mit oft tau­sen­den hoch­ak­tu­el­len, benütz­ten(!) und frei aus­les­ba­ren Mail­adres­sen ver­wen­det die­sen Adres­sen­pool zum Ver­sen­den von Spam. Oder ver­hö­kert die Adres­sen um viel Geld, damit an sie Spam ver­sen­det wird (nur damit Sie wis­sen, war­um Sie stän­dig Mails zur Penis­ver­län­ge­rung erhal­ten). Oder einer (oder wohl meh­re­re) die­ser tau­sen­den Emp­fän­gern hat einen Virus auf sei­nem Rech­ner, der sich mun­ter an die Mail­adres­sen wei­ter­ver­sen­det. Oder jemand kommt auf die Idee und liest sich den Ver­tei­ler etwas genau­er durch und freut sich über die vie­len, vie­len tol­len Mail­adres­sen von Unbe­kann­ten oder auch gar nicht so Unbe­kann­ten, die ihm da zuge­spielt wur­den, beson­ders attrak­tiv, wenn man so über vie­le Ecken mit sei­ner Mail­adres­se in einen Ver­tei­ler für weni­ger jugend­freie Inhal­te gerutscht ist…

Ja, Sie lie­gen rich­tig wenn Sie mei­nen, hier wer­den straf­ba­re Hand­lun­gen gesetzt. Eine Mail­adres­se hat den glei­chen Sta­tus, wie eine Tele­fon­num­mer. Und die krit­zelt man ja auch nicht an jede Stra­ßen­ecke. War­um tut man das dann im Inter­net? Dar­um soll­te man, wenn man sich schon durch sol­che Ket­ten­brie­fe ange­spro­chen fühlt, den Ver­tei­ler unbe­dingt in das “Bcc:”-Feld schrei­ben. Besteht das Mail­pro­gramm auf einen Ein­trag im “An:”-Feld, tut es auch die eige­ne Adres­se. Oder ein ande­res Mailprogramm.

Zur Voll­stän­dig­keit sei hier noch erwähnt, dass nicht alle Mail­ser­ver, und hier hat man lei­der kei­ne Mög­lich­keit des Ein­grif­fes, tat­säch­lich alle Blindkopie-​Empfänger aus der ein­zel­nen zuge­stell­ten Mail löschen. Wenn es sich also um wirk­lich wich­ti­ge Mails han­delt, zum Bei­spiel aus dem geschäft­li­chen Bereich, wo man hun­dert­pro­zen­tig sicher­stel­len möch­te, dass eine ange­schrie­be­ne Per­son nichts von einer zusätz­li­chen Wei­ter­lei­tung der Nach­richt erfährt, dann soll­te man sich die Mühe machen und die besag­te Nach­richt ein­zeln versenden.

Wer wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu die­sem The­ma sucht, füt­tert bit­te ein­fach eine Such­ma­schi­ne sei­nes gerings­ten Miss­trau­ens mit dem Begriff “Bcc”. viel­leicht fin­den sich dabei auch tipps zur “neti­quet­te” im mail­ver­kehr, einer kul­tur, die schnel­ler am ster­ben ist, als ein fisch am tro­cke­nen. Aber das ist ein ande­res The­ma und soll ein ander­mal bespro­chen werden.

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