Tür notbetätigung

Von in wien

Die Fotografie zeigt die Handgriffe einer U-Bahntüre mit den Aufschriften kurz ziehen und pull sharply

kräf­tig ziehen

Eigent­lich sind die ande­ren schuld. Na klar, wer schaut schon gern in deren Gfrie­sa? Auf der Suche nach ande­ren Licht­bli­cken wäh­rend einer Aro­ma­the­ra­pie­fahrt mit der Wie­ner U-​Bahn bin ich schließ­lich auf die Warn­hin­wei­se an Dach & Wand & Tor gesto­ßen. Lesen Sie hier mei­ne nicht ganz ernst gemein­ten Asso­zia­tio­nen zum eng­li­schen Wie­ne­ri­schen und wie­ne­ri­schen Eng­lisch. Und nicht ver­ges­sen: Die ande­ren sind schuld!

Die Fotografie zeigt eine Notrufeinrichtung einer U-Bahngarnitur mit den Aufschriften Push button in case of emergency und Notrufstelle bei Gefahr drücken und Notbremse bei Gefahr ziehen und Pull emergency brake in case of danger.

Not­brem­se bei Gefahr ziehen

Not­brem­se bei Gefahr zie­hen: Brem­sen kann man tre­ten oder auf sie drauf­stei­gen (Auto), Brem­sen kann man zie­hen (Not­brem­se), aber eigent­lich tut man Brem­sen betä­ti­gen tun. Stel­len Sie sich vor, ein Wie­ner nimmt das wört­lich und reißt die kom­plet­te Hal­te­rung aus der Wand. Zum Zie­hen kom­men wir spä­ter noch­mals, wenn es um die Tür­grif­fe geht; betrach­ten wir zunächst die deng­li­sche eng­li­sche Über­set­zung: Pull emer­gen­cy bra­ke in case of dan­ger. Auch das ist eher eine Auf­for­de­rung zum Van­da­lis­mus. Emer­gen­cy bra­kes wen­det man an, sprich “to app­ly emer­gen­cy bra­ke”. “In case of dan­ger” ist schlicht­weg unme­lo­disch. “In case of (an) emer­gen­cy” klingt doch gleich viel schö­ner, tut es nicht?

Haben Sie schon ein­mal die Not­ruf­stel­le gedrückt? Nicht? Dann ver­su­chen Sie es ein­mal mit dem Schal­ter. Eine Garan­tie für eine freund­li­che Ant­wort ist das aller­dings auch nicht, wie wohl man sich schon etwas mehr als ein hin­ge­rotz­tes “Wos is?” erwar­ten darf. “Push but­ton in case of emer­gen­cy”. Jaja, dass das ein Druck­knopf ist, haben wir ver­stan­den. War­um der aber nur im Not­fall da sein soll, ist mir nicht ganz klar (“Druck­knopf im Not­fall”). Immer­hin ist der aber nicht, wie die Not­brem­se, für die Gefahr gedacht. Soll­te das “Push” als Impe­ra­tiv gemeint sein, wäre das eine sehr destruk­ti­ve Auf­for­de­rung. Ich wür­de für “press” plä­die­ren. Wofür plä­dier­ten Sie?

Die Fotografie zeigt die Handgriffe einer U-Bahntüre mit den Aufschriften kurz ziehen und pull sharply

kräf­tig ziehen

Das Pro­blem mit den Türen. Es ist kein Scherz, ich habe tat­säch­lich schon jeman­den gese­hen, der ver­zwei­felt der Auf­for­de­rung an den Schie­be­tü­ren nach­kam: Er zog aus Lei­bes­kräf­ten an den Hebeln.
Ich weiß ehr­lich nicht, ob “drü­cken” bes­ser wäre, beim Ver­such der Über­set­zung ins Eng­li­sche wird der Schwach­fug aber augen­schein­lich: Bei “pull” zie­he ich. Und zwar zu mir. Wahr­schein­lich reich­te ein­fach der schwar­ze Pfeil. Das “kurz” mit “shar­ply” zu über­set­zen, ist mutig. “Shar­ply”, wenn man es denn hier über­haupt ver­wen­den dürf­te, bedeu­tet “kräf­tig”. Nun ja, bei so man­cher Tür nicht untertrieben.

Die Fotografie zeigt ein Hinweisschild einer U-Bahngarnitur mit den Worten Tür notbetätigung und Door emergency button

Tür not­be­tä­ti­gung

Tür not­be­tä­ti­gung [sic!]. Tat das dem Gra­fi­ker nicht weh? Oder wehr­te sich das Gra­fik­pro­gramm gegen den Bin­de­strich? What the fuck­ing fuck is a “Door emer­gen­cy but­ton”? Ein “Tür-​Notfall-​Hemdknopf”? “Door release”, mei­net­we­gen noch mit einem “switch” hin­ten dran, für ganz Begriffs­stut­zi­ge mit dem “nur im Notfall”-Hinweis ver­se­hen, das reich­te schon.

War­nung! Nur für Hart­ge­sot­te­ne: Ver­hal­ten bei Betriebs­stö­run­gen (War­um eine solch nega­ti­ve Ein­stel­lung? Reicht die Ein­zahl “Betriebs­stö­rung” nicht?).
Ruhe bewah­ren und Anwei­sun­gen abwar­ten. Ich wür­de ja dar­um bit­ten, die Anwei­sun­gen zu befol­gen, aber “abwar­ten” hat bei Fahr­gäs­ten der Wie­ner Lini­en tat­säch­lich einen höhe­ren Wiedererkennungswert.
Zug außer­halb der Sta­ti­on nur nach Anwei­sung ver­las­sen. No pro­blem, wir tun ja noch abwarten.
Not­lei­ter zum Aus­stei­gen bei tief­lie­gen­dem Schutz­weg ver­wen­den. Mhm. Immer­hin ist “Aus­stei­gen” groß geschrie­ben, wenn man schon die Satz­stel­lung nicht groß­schreibt. Und wozu kann man Schutz­we­ge ver­wen­den? Viel­leicht zum Benützen?
Anwei­sun­gen über Geh­rich­tung auf der Stre­cke abwar­ten, Schutz­we­ge benüt­zen. Wie vie­le Anwei­sun­gen muss man wohl abwar­ten, um über die “Geh­rich­tung” infor­miert zu sein? Und wie han­deln, wenn dann tat­säch­lich meh­re­re Anwei­sun­gen erfol­gen? Was mich schon immer bren­nend inter­es­sier­te: Gibt es im U-​Bahn Tun­nel auch Zebrastreifen?
Im Brand­fall Feu­er­lö­scher ver­wen­den. Machen wir. Wir sind ja eh noch beim Abwarten.

Die Fotografie zeigt ein Hinweisschild in einer U-Bahngarnitur mit einer ausführlichen Anleitung für das Verhalten der Fahrgäste in Notsituationen in deutscher und englischer Sprache.

Anlei­tung

So. Und jetzt auf Englisch:
“What to do in case of a ser­vice inter­rup­ti­on”. “A ser­vice inter­rup­ti­on” ist eine “Bedie­nungs­un­ter­bre­chung”. Man mein­te hier wohl “inter­rup­ti­on of operations”.
Remain calm and wait for inst­ruc­tions. Sir? Yes, Sir! (So man­cher wür­de jetzt sagen: “Get off my train!”).
Lea­ve train out­side sta­ti­ons only when inst­ruc­ted to do so. Ja sag du mir, haben die mit Babel Fish über­setzt oder was?
Use evacua­ti­on lad­der when lea­ving train onto a track-​level escape rou­te. Nein, das ist nicht die Absaug­lei­ter, son­dern die “res­cue lad­der”, oder mei­net­we­gen die “fire (escape) lad­der”. Und für “track-​level escape rou­te” gibt es einen Plus­punkt für außer­ge­wöhn­li­che Kreativität.
Wait for inst­ruc­tions regar­ding the direc­tion of escape along tracks, use the safe escape rou­tes. Man kann nur hof­fen, dass eng­lisch­spra­chi­ge Tou­ris­ten bei Beach­tung die­ser Anga­ben nicht gera­de­aus gegen die nächs­te Tun­nel­wand don­nern. Man merkt regel­recht, wie dem armen Mit­ar­bei­ter beim Über­set­zen von “Schutz­we­ge benüt­zen” nach “use safe escape rou­tes” die Schweiß­per­len auf der Stirn standen.
In case of fire use fire extin­guis­her. And in case of dan­ger use dan­ger extinguisher!

Frei nach Her­bert Pri­ko­pa: Manch­mal muss auch ein bis­serl Spaß sein! ;-)

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