Menschliche Fähigkeiten

Von in wien

Von einem anstren­gen­den Arbeits­tag in Uni­form heim­keh­rend traf ich heu­te auf eine reg­lo­se Per­son im U-​Bahn Bereich. Mich um das am Boden lie­gen­de bedau­erns­wer­te Etwas küm­mernd hat­te ich wie­der Gele­gen­heit, die Wie­ner See­le näher ken­nen zu ler­nen. Und die dabei gewon­ne­ne Erfah­rung möch­te ich natür­lich gleich hier wei­ter­ge­ben.

Von weni­gen Anzei­chen aus­ge­hend war anzu­neh­men, dass die etwa 20 jäh­ri­ge Per­son schon etwas län­ger am Boden lag. Neben doch recht deut­li­chen Sym­pto­men war auch aus der Ent­fer­nung zu Recht zu ver­mu­ten, dass Dro­gen­miss­brauch die Situa­ti­on ver­ur­sach­te. Die Tat­sa­che, jeman­den reg­los am Boden lie­gen zu sehen scho­ckier­te mich dabei weni­ger, als der Mas­se an Leu­ten gewahr zu wer­den, die taten­los die Sze­ne durch­schrit­ten. Ein sol­ches Ver­hal­ten fin­det man sonst nur in der Fau­na wie­der. Es wird wohl nicht dar­an lie­gen, dass Vie­cher kei­ne Ers­te Hil­fe leis­ten kön­nen.

Völ­lig in der Aus­la­ge kni­end ward mir das War­ten auf die Kol­le­gen doch ziem­lich unan­ge­nehm, bis Leu­te an mich her­an­tra­ten und mir ihre Hil­fe anbo­ten. Völ­lig sprach­los war ich aber, als plötz­lich eine Frau auf mich zuschritt, mir einen Zeh­ner in die Uni­form­ja­cke steck­te und mit den Wor­ten “Ihr seid ein­fach ein Wahn­sinn” wie­der ver­schwand. Wer­te Dame, ich war so ver­blüfft, dass ich nicht ein­mal ein Dan­ke­schön her­aus­brach­te. Ich hof­fe, Sie ver­zei­hen. Es soll hier­mit nach­ge­holt sein.

Dabei, es geht hier gar nicht um mich. Es geht nicht ein­mal um den Jun­kie, der sich einen denk­bar schlech­ten Ort für sei­nen Trip aus­ge­sucht hat­te (wobei…, wo wäre ein guter Ort dafür?). Es geht um die Fähig­keit, Mit­men­schen in ihrer Not im Stich zu las­sen. Und wer meint, es spie­le eine Rol­le, um wel­che Men­schen es sich dabei hand­le, irrt. Denn solch men­schen­ver­ach­ten­des Ver­hal­ten hat sich nie­mand ver­dient. Ob in Kra­wat­te geklei­det, oder in zer­ris­se­nen Bein­klei­dern.

Dass nicht weni­ge Per­so­nen an mich mit ange­bo­te­ner Hil­fe her­an­tra­ten, fand ich herz­er­wär­mend. Lei­der hat die­se Art der Hil­fe­leis­tung den scha­len Bei­ge­schmack des Heuch­le­ri­schen. Trotz­dem auch hier ein ehr­li­cher Dank, denn auch der Erst­hel­fer benö­tigt Bei­stand und Hil­fe. Und die­se anzu­bie­ten bedeu­tet immer eine beson­de­re Fähig­keit der Selbst­über­win­dung.

Dar­um, Dan­ke! Für das ers­te ehr­li­che Gefühl von Advent- und Weih­nachts­stim­mung.

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