Medizin für alle Fälle

Von in gesundheit

In der Novem­ber­aus­ga­be des Kino­ma­ga­zins “Skip” fin­det sich eine bezahl­te Anzei­ge der Stadt Wien mit dem Titel “Medi­zin für alle Fäl­le”, in der man, wie­der ein­mal, dar­über belehrt wird, bei wel­chen gesund­heit­li­chen Pro­ble­men wel­che Hil­fe in Anspruch genom­men wer­den soll­te. Am Sei­ten­rand steht “Infor­ma­ti­on für dich & mich”. Für wen jetzt?

Die Infor­ma­tio­nen auf die­ser Sei­te sind recht auf­schluss­reich, ledig­lich der letz­te Satz, angeb­lich von Gesund­heits­stadt­rä­tin Son­ja Weh­se­ly getä­tigt, “Ein Not­fall liegt dann vor, wenn man ärzt­li­che Hil­fe akut braucht und das Kran­ken­haus nicht mehr selbst errei­chen kann!”, miss­fällt mir. (Nicht nur wegen dem fal­schen Satz­zei­chen). Da über­kommt einen das Gefühl, dass es schon wie­der ein­mal um etwas ande­res geht.

Wo liegt das Pro­blem? Das Pro­blem liegt in der Auf­ga­ben­ver­tei­lung. Zum wie­der­hol­ten Male in die­sem Blog: Es ist nicht Auf­ga­be des Erst­hel­fers zu ent­schei­den, wel­ches Ret­tungs­mit­tel bei einem (ver­meint­li­chen) Not­fall ein­ge­setzt wird. Das wür­de näm­lich vor­aus­set­zen, dass man dahin­ge­hend auch aus­ge­bil­det wur­de. Es ver­langt gutes Ein­schät­zungs­ver­mö­gen, von medi­zi­ni­schem Wis­sen rede ich gar nicht. Bei­spiel gefäl­lig? Man wacht mit einer Schwä­che in einem Arm auf und kann sich nur schwer auf­rich­ten. Ihr prak­ti­scher Arzt wird sicher nächs­te Woche einen Ter­min für Sie frei haben. Die Ein­wei­sung auf eine “Stro­ke Unit” nach einem Schlag­an­fall kann er sich dann übri­gens auch gleich sparen.

Aber… drum rum gere­det. Wir haben spit­zen­mä­ßig aus­ge­bil­de­te Fach­kräf­te in Call­cen­tern sit­zen, die Anru­fe der Num­mer 144 ent­ge­gen­neh­men. Die kön­nen natür­lich nicht ent­schei­den, ob sie Ihnen einen Not­arzt, oder einen Kran­ken­trans­port­wa­gen schi­cken. Oder viel­leicht doch (weil ja am Sei­ten­rand so ent­zü­ckend “Infor­ma­ti­on für dich & mich” steht)? Viel­leicht ist das ja eine bezahl­te Anzei­ge für die MA70. Wer weiß?

Lie­be Frau Gesund­heits­stadt­rä­tin, mit einer bezahl­ten Ver­un­si­che­rung der Erst­hel­fer bekom­men Sie Ihre Pro­ble­me mit dem Ret­tungs­dienst nicht in den Griff. Den­ken Sie lie­ber über die Sinn­haf­tig­keit, jedem 144-​Anrufer einen RTW oder NAW zu schi­cken, nach. Dem Erst­hel­fer auf die Fin­ger zu klop­fen, weil er als Hil­fe­su­chen­der 144 ruft, ist nicht ver­ant­wor­tungs­voll. Ver­ant­wor­tungs­voll wäre, deut­lich nicht­in­di­zier­te Ein­sät­ze an befreun­de­te Kran­ken­trans­port­or­ga­ni­sa­tio­nen abzu­ge­ben, oder den Anru­fer an Ärz­te­funk­dienst oder nie­der­ge­las­se­nen Arzt abzu­wei­sen (um Got­tes Wil­len, wie wäre da eine Direkt­ver­bin­dung nach dem Mot­to “War­ten Sie bit­te, ich ver­bin­de Sie gleich wei­ter” geil! Boah, ey!).

Und so neben­bei: Wie­so bewer­ben Sie jetzt wie­der die Ambu­lan­zen? Vor nicht lan­ger Zeit war es doch pfui, mit Baga­tel­ler­kran­kun­gen und ohne Über­wei­sung in ein Kran­ken­haus zu gehen. Isses jetzt gar wie­der gestat­tet, Frau Gesundheitsstadträtin?

Share on LinkedInShare on Redditshare on TumblrShare on StumbleUponDigg thisShare on FacebookGoogle+Tweet about this on TwitterEmail to someone