Und das ewige Licht leuchte ihnen…

Von in gesundheit, politik, verkehr

Ein frommer Wunsch, wenn man sich die aufgewärmte Diskussion um das "Tagfahrlicht" zu Gemüte führt. Ich versuche immer, Meinungen anderer zu respektieren und akzeptieren. Wie kaum wo anders fällt mir dies aber besonders hier schwer, weil die Argumente teilweise völlig aus dem Licht gegriffen sind. Ich möchte hier das Problem mit dem Licht beleuchten, auf dass wir am Ende des Tunnels etwas erleuchteter sind.

Der ARBÖ stellt bei einer Umfrage fest, dass sich 74% der 2.632 Befragten gegen das Gesetz "Licht am Tag" aussprechen. 2.632 Befragte. Klingt viel. In Prozent ausgedrückt: 0,06% aller Autobesitzer (gar nicht aller Führerscheinbesitzer, da wäre der Prozentsatz noch weit geringer), wenn wir rechnen, dass auf 1000 Österreicher 503 Autos kommen (andere Quellen setzen die Zahl weit höher) und die Einwohnerzahl von Österreich 8.233.306 ist. 0,06%, klingt unbedeutend wenig. Analysieren wir, warum sich die besagten Befragten gegen das Licht aussprechen:

Als Hauptgrund wird genannt, dass Fußgänger, Radfahrer und Kinder (sind offenbar keine Fußgänger, klingt aber besser, wenn Gefahr besteht, dass Kinder überfahren werden. Alte und behinderte Menschen gibt's auch noch, nur so am sprichwörtlichen Rande) im Straßenverkehr schlechter gesehen werden. Wer das ernsthaft glaubt, muss sich mit ebensolchem Ernst fragen, ob er über ausreichende gesundheitliche Eignung für den Straßenverkehr verfügt. Ich möchte dem nämlich nicht in der Nacht begegnen. Da muss er ja, geblendet wie am Tag, blind wie ein Huhn alles niedermähen.

Das nächste Argument (mit fast gleicher Wichtigkeit): Es wären mehr "Einäugige" unterwegs. Ja, klar, wenn wir das Licht nicht aufdrehen, fällt es nicht so auf, dass sich die Hälfte der Autofahrer um die Straßentauglichkeit des eigenen Fahrzeugs nicht kümmert. Fragen Sie sich selber, wann Sie das letzte Mal eine Kontrolle der Lichtanlage durchgeführt haben! In Burgenland soll eine Studie gezeigt haben, dass der Verbrauch von Glühlampen, also Abblendleuchten, von 5% auf 7% angestiegen sei. Jössas, das haut einen ja aus den Socken!

Platz 3: Die Mehrausgaben. Wie sehr das eingeschaltete Abblendlicht wirklich Strom frisst, kann jeder bei seinem Auto selber testen: Auto im Leerlauf stehen lassen, Licht einschalten, Licht wieder ausschalten. Hat sich etwas getan? Nicht? Dann schalten Sie einmal die Heckscheibenheizung ein. Oder die Klimaanlage. Nicht, dass sich das Abblendlicht von Luft ernährt, aber solange Klimaanlagen sowohl im Sommer, als auch im Winter durch die automatisierte Lüftungsanlage aktiviert werden, Scheibenwischer bei fünf Tropfen auf Dauerbetrieb stehen oder bei geschlossenen Bahnschranken die Motoren laufen, ist der Mehrverbrauch durch Licht am Tag reine Polemik. Wieviel nicht unbedingt benötigtes Licht brennt bei uns in den Wohnungen? Da gilt der Mehrverbrauch nicht?

"Pro Jahr 133,8 Millionen Liter zusätzlicher Spritverbrauch". Na, das regt zum Rechnen an: Gehen wir davon aus, Österreich hat 4,1 Millionen gemeldete Autos und im Schnitt benötigen unsere PKWs 7 Liter Benzin pro 100km, außerdem fahren wir Österreicher im Schnitt 15.000km pro Jahr (ich bin mir sicher, wir fahren doppelt so viel, aber seien wir fair). Dann verfährt ganz Österreich in einem Jahr 434.842.056.390 Liter Benzin (in meinen Augen weit mehr). 133,8 Millionen Liter, nämlich das, was wir durch das eingeschaltete Licht mehr benötigen (Quelle ARBÖ), ergäben dann satte 0,03%. (Dabei wird übrigens davon ausgegangen, dass wir, gäbe es die "Licht-am-Tag"-Regelung nicht, sonst zu 100% ohne Licht fahren würden. Kein Licht bei Nebel, Regen oder in der Nacht. Soviel zur Statistik). 0,03% wären, zurückgerechnet auf jeden Einzelnen bei einem Verbrauch von 7 Liter/100km 0,0021 Liter/100km. Der Wiener würde dazu sagen: "A Lackerl". Nicht einmal. Wollen wir das mit allen mit dem Auto zurückgelegten Kilometern, die absolut vermeidbar und völlig unnütz waren, vergleichen? Tausende Kilometer, die zu Fuß oder mit dem öffentlichen Verkehrsmittel vorteilhafter zurückgelegt werden hätten können? Ich glaube, nicht wirklich.

Mein Lieblingsargument: Bei Sonnenschein sieht man das Abblendlicht ja gar nicht. Gleich gefolgt von "Abblendlicht führt zu Reizüberflutung". Wie das, wenn man es gar nicht sieht? Oder der hier: "36% der Befragten meinten, durch das Abblendlicht seien die Armaturen schlechter lesbar."

Also wenn das die Argumente der Gegner sein sollen... Bleibt noch die Thematik über den Einfluss des Tagfahrlichtes auf die Unfallzahlen:

Fairerweise bleibt noch zu erwähnen, dass es angeblich ein Problem mit Motorradfahrern geben soll. Auch die Statistiken zeigen, dass das Tagfahrlicht die Anzahl der Motorradunfälle bedauerlicherweise erhöht hat. Ich kann es zwar nicht nachvollziehen, finde aber kein Argument, dass die Tatsache widerlegen könnte. Unterm Strich, auch wenn das jetzt brutal klingt, geht aber die Gesamtanzahl aller Verkehrsunfälle zurück, trotz vermehrter Motorradunfälle, was wohl nicht gegen das Tagfahrlicht sprechen kann.

Und weil es mein Blog ist, erlaube ich mir auch noch ein persönliches Statement:
Ich bin nämlich gleichermaßen für und gegen die Verordnung "Licht am Tag". Persönlich halte ich die Verordnung für sinnvoll, weil ich selber schon davon profitiert habe (abgebrochener Überholvorgang wegen Gegenverkehr, den ich ohne Licht wohl zu spät gesehen hätte). Ich bin dagegen, wenn sich nicht alle daran halten (und das kann ja nur ein Wunschdenken sein, schließlich habe ich selber schon "darauf vergessen"). Denn in einer Gruppe von 10 beleuchteten PKWs geht ein unbeleuchteter völlig unter (was aber natürlich auch nicht wirklich ein Grund gegen die Verordnung sein kann. Dann müssten wir zum Beispiel auch die Ampeln abstellen). Es wäre schön, könnte man von den Leuten erwarten, selber zu entscheiden, wann das Licht sinnvoll ist, und wann nicht (bei prallem Sonnenschein bin ich auch dagegen, bei Licht-Schatten-Wechsel (Wald oder Allee) sieht die Sache wieder anders aus). Aber dann kann man darauf wetten, dass sich Leute finden, die, vielleicht bei ausreichender Straßenbeleuchtung, in der Nacht kein Licht aufdrehen. Mit diesem Aufsatz möchte ich eigentlich nur sagen: Die Verordnung "Licht am Tag" mag nicht 100%ig sinnvoll erscheinen. Aber mit fadenscheinigen Argumenten, verfälschten Statistiken und einer ordentlichen Portion Polemik tut man sich selber nichts Gutes. Und dann könnte man natürlich auch noch meinen, es sei nicht unsere Aufgabe, Gesetze zu hinterfragen, oder gar, weil wir anderer Meinung sind, diese nicht zu befolgen. Aber das wage ich gar nicht laut zu sagen...

Share on LinkedInShare on Redditshare on TumblrShare on StumbleUponDigg thisShare on FacebookGoogle+Tweet about this on TwitterEmail to someone