tascherlgucker

Von in allgemein, politik

Darf ich bit­te in ihre Tasche schauen?”
Nein, dür­fen sie nicht.
Wenn Sie kein Pro­blem mit Taschen­kon­trol­len bei diver­sen Kas­sen in Super­märk­ten oder Ein­kauf­zen­tren haben, wenn Sie bereit­wil­lig wild­frem­den Men­schen, die kein Recht dazu haben, Ein­blick in Ihre Pri­vat­sphä­re gewäh­ren, lesen Sie bit­te nicht wei­ter. Igno­ran­ce is bliss.

Wenn es Sie zwar stört, viel­leicht aber trotz­dem die Tasche öff­nen, lie­ber aber über Ihr Recht, wie es in Öster­reich gilt, bescheid wis­sen wür­den,… Dann lesen Sie hier weiter.

Es ist nicht nur stö­rend, es ist auch pein­lich. Es ist unhöf­lich. Und es ist auch nicht so ohne. Die Auf­for­de­rung, an der Kas­sa die Taschen zu öff­nen. Für gewöhn­lich fragt die Kas­sie­re­rin, oder der Kas­sier, den Kun­den, ob er bit­te die Tasche, oder den Ruck­sack öff­nen kön­ne. Die Fra­ge an und für sich ist nichts Unrech­tes. Nie­mand kann mich dar­an hin­dern, auf die Stra­ße zu gehen und wild­frem­de Men­schen zu bit­ten, mir ihre Tasche zu öff­nen. Ich muss halt nur auf­pas­sen, dass ich damit nicht öffent­li­ches Ärger­nis erre­ge, aber sonst… So easy ist das aber bei unse­rer Kas­sie­re­rin nicht, weil man ihr ja einen Grund nach­sa­gen muss, war­um sie so geil auf den Inhalt mei­ner Tasche ist. Könn­te sie mich viel­leicht bit­ten, die Tasche zu öff­nen, weil die Mög­lich­keit bestün­de, ich ver­such­te viel­leicht, etwas zu steh­len? Jetzt sieht die Situa­ti­on schon ganz anders aus, näm­lich auch prak­tisch. Denn die War­te­schlan­ge hin­ter mir bekommt ganz plötz­lich vie­le Köp­fe mit lan­gen Häl­sen und auf­merk­sa­men Ohren. Die also anfangs belang­los gestell­te Frage/​Bitte/​Aufforderung ver­setzt mich uner­war­tet in eine Lage, in die mich die Kas­sie­re­rin gar nicht hät­te brin­gen dür­fen: Sie bür­det mir die Last auf, zu bewei­sen, dass ich nichts gestoh­len habe! Und ab die­sem Zeit­punkt wird es haa­rig, denn das dürf­te sie, wenn über­haupt, nur, wenn sie sich ganz sicher ist, dass ich auch tat­säch­lich etwas ein­ge­steckt habe! Und selbst dann hat sie noch immer kein Recht dar­auf, in mei­ne Tasche zu bli­cken. Erst wenn sie sich hun­dert­pro­zen­tig sicher ist, ich hät­te etwas gestoh­len (was übri­gens erst eini­ge Meter nach der Kas­sa wirk­lich zutrifft, aber sicher nicht direkt an der Kas­sa selbst), darf sie die Poli­zei rufen und mich ange­mes­sen dar­an hin­dern, das Wei­te zu suchen. Und selbst die Poli­zei darf wie­der­um nur bei begrün­de­tem Ver­dacht mei­ne Sachen durch­su­chen, aber sicher nicht aus Jux und Tol­le­rei. Wirk­lich schlimm wird es, wenn die Poli­zei tat­säch­lich hin­zu­ge­zo­gen wird und sich letzt­end­lich her­aus­stellt, dass kein Dieb­stahl vor­liegt. Die Kas­sie­re­rin hät­te dann näm­lich den Tat­be­stand der Nöti­gung und Ver­leum­dung erfüllt.

Mög­lich, dass ich über­zeich­ne. Wenn man ein wenig im Inter­net nach­forscht, wird man aber in diver­sen Foren über das The­ma erstaun­lich schnell und reich­lich fün­dig. Vie­le erbos­te Kun­den berich­ten sogar von über­aus aggres­si­ven Taschen­kon­trol­len, die mir sel­ber aber noch nicht unter­ge­kom­men sind. In den letz­ten Mona­ten habe ich eine sehr ein­fa­che und erfreu­li­cher­wei­se höchst effi­zi­en­te Vor­ge­hens­wei­se erprobt: Ich ant­wor­te schlicht­weg immer mit “Nein”. Nicht mehr und nicht weni­ger. “Nein”. Höf­lich. Aber bestimmt. Meist amü­sie­re ich mich dann ob der etwas über­rasch­ten und hilf­lo­sen Gesich­ter, aber ich habe noch kein ein­zi­ges Mal ein “Aber…” gehört. Pro­bie­ren Sie es aus, es ist ganz lustig!

Wie sieht es das Gesetz? Die Anwalts­kanz­lei unterweger-bitsche.at schreibt in einem Arti­kel, “Wenn Sie im Super­markt Ihre Ein­kaufs­ta­sche nicht öff­nen wol­len, müs­sen Sie das nicht tun.” Es wird aber auch zum Bei­spiel dar­auf ein­ge­gan­gen, dass eine Aus­weis­kon­trol­le nicht so aus hei­te­rem Him­mel erfol­gen kann (gewis­se Ana­lo­gie zum “Fil­zen”). Also selbst das Vor­ge­hen der Poli­zei ist hier sehr an eine vor­an­ge­gan­ge­ne Tat (z.B. Über­que­ren der Stra­ße bei Rot) gebun­den. Auf Coman­dan­ti­na Dusil­o­va wird auf einen wei­te­ren Umstand hin­ge­wie­sen, der auch im Inter­net immer wie­der kon­tro­vers dis­ku­tiert wird: Tafeln mit der Auf­schrift, Taschen unauf­ge­for­dert zu öff­nen, oder, wie es der “Saturn” in der Maria Hil­fer­stra­ße in Wien prak­ti­ziert, dem Kun­den mit­zu­tei­len, dass er sich beim Betre­ten des Geschäf­tes mit Taschen­kon­trol­len ein­ver­stan­den erklärt. Lei­der kann ich trotz inten­si­ver Suche nicht mehr die Quel­le der Aus­sa­ge, dass die­se Vor­ge­hens­wei­se “sit­ten­wid­rig” sei, fin­den. Sit­ten­wid­rig des­we­gen, weil ein Geschäfts­in­ha­ber vom Kun­den nicht Din­ge ver­lan­gen kann, für die es kei­ne Rechts­grund­la­ge gibt. Und es auf eine gro­ße Tafel zu schrei­ben, oder dem Kun­den an den Kopf zu brül­len, macht es nicht rechtsgültiger.

Die Arge Daten betrach­tet das Pro­blem der Taschen­kon­trol­len von der Sei­te des Daten­schut­zes, wobei ich der Aus­sa­ge, dass ein Unter­neh­men (wer auch immer damit gemeint sei) im Bei­sein der Poli­zei die Taschen durch­su­chen dür­fe, nicht viel abge­win­nen kann. Das BMI (Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Inne­res) sat­telt in einer Fra­gen­samm­lung (Link sie­he unten, Kom­men­ta­re) das Pferd von hin­ten: Hier geht es um den Umgang mit Laden­die­ben. Klipp, klar und kurz, ohne irgend­wel­che Umschwei­fe, steht da zu lesen: “Kauf­häu­ser haben zur Taschen­kon­trol­le bei ihren Kun­den kein Recht. Der Betrof­fe­ne muss eine der­ar­ti­ge Maß­nah­me nicht dulden.”

Per­sön­lich möch­te ich noch zwei Punk­te anfüh­ren, die es sinn­voll machen, der Auf­for­de­rung zur Taschen­kon­trol­le NICHT nach­zu­kom­men: 1. Sie könn­ten sich irren. Eben waren Sie sich noch sicher, Ihre Tasche wäre leer, haben Sie doch extra zu Hau­se noch alle Gegen­stän­de dar­aus ent­fernt. Lei­der haben Sie aber die 3er-​Packung Kau­gum­mis über­se­hen, die Sie sich ges­tern noch geleis­tet haben. Und jetzt öff­nen Sie bereit­wil­lig die Tasche… Zwar hat dann immer noch der Laden zu bewei­sen, dass die Ware auch wirk­lich aus eben­die­sem stammt, aber ungut wird die Situa­ti­on auf jeden Fall wer­den. 2. Auch wenn Sie noch immer kei­nen Grund sehen, war­um es nicht unbe­dingt ein “fei­nes Vor­ge­hen” ist, ande­re zu bit­ten, die Tasche zu öff­nen, machen Sie es ande­ren, die sich sehr­wohl beläs­tigt füh­len, schwe­rer. Denn “der da” hat auch die Tasche auf­ge­macht. War­um machen Sie es nicht?

Schrei­ben Sie mir, war­um Sie kein Pro­blem mit Taschen­kon­trol­len haben, oder was sie erfolg­reich (oder erfolg­los) den Auf­dring­lich­kei­ten entgegnen!

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